Donnerstag, 8. September 2011

Das Review-Dillema, Teil 1

So, gestern habe ich es ja schon kurz angeschnitten, jetzt wird Zeit mal richtig darüber zu reden.
Für den Fall, dass ihr es nicht mitbekommen habt, Christian Schmidt, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Gamestar, schreibt jetzt für Spiegel und hat dort kürzlich eine Kolumne veröffentlicht, die in der Branche hohe Wellen geschlagen hat. Es geht um die deutsche Spielepresse, wie sie dem Medium und ihrer Kundschaft nicht mehr gerecht wird. Den ganzen Artikel gibt es hier.

Von mir erst mal so viel: Ich schreibe liebend gern Videospielkritiken und ich hoffe eines nicht zu weint entfernten Tages damit mein Geld verdienen zu können. Insofern sauge ich auch alles auf was ich zu dem Thema finde. Denn ich will ein besserer Schreiber werden. Und ich will dem Medium gerecht werden. Aber das ist eigentlich eine ganz andere Debatte. Die Entwicklung des Mediums, wie es mehr in den gesellschaftlichen Mittelpunkt rückt. Versteht mich nicht falsch, ich mag Blockbuster Entertainment ala Gears of War so sehr wie jeder andere, aber ich vertrete auch die Meinung, dass Spiele durchaus mehr sein können. Wie genau das funktionieren soll ist nicht so einfach zu erklären, aber es ist eigentlich Nichts, woraus man der Presse einen Strick drehen könnte. Auch wenn Spiele ein Medium sind das zu mehr fähig ist, so besteht ein Großteil des Marktes doch weiterhin aus Blockbuster Entertainment mit Popcorn-Charakter.

Der Job eines Spielekritikers, zumindest sehe ich mich in dieser Rolle, ist primär seinen Lesern zu sagen ob ein Spiel ihre hart verdienten 50-70 Öcken wert sind. Dies kann er auf viele verschiedene Arten tun. In Textform, als Video, mit Zahlen, ohne Zahlen. Natürlich darf der Unterhaltungswert nicht unterschätzt werden. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten die ihr Geld damit verdienen alte Spiele zu reviewen, wie z.B. Spoony oder James Rolfe. Aber gerade zu dieser Jahreszeit muss doch vor allem Eines geklärt werden: Welches von diesen gefühlten 20.000 Spielen die in den nächsten 3 Monaten erscheinen soll ich mir jetzt kaufen?

Dies wird von Christian in seinem Artikel kritisiert:
Solche Kaufberatung sehen die meisten Spieletester bis heute als ihre Hauptaufgabe. In Zeiten, in denen Videospiele als Medium mit gesellschaftlicher Aussagekraft, als Kulturgut und Kunstwerke gelten wollen, behandelt die klassische Spielekritik sie in erster Linie als Produkt.
Wie gesagt, bei der Flut an Titeln vor denen man manchmal steht bleibt einem gar Nichts anderes übrig. Ich habe persönlich noch das Glück mir jedes Spiel das ich reviewen möchte selber auszusuchen. Und mein Tisch ist diese Woche schon relativ voll, mit einem Xbox Actionkracher, einem 3DS-Titel und einem Point & Click-Adventure. Wenn ich jetzt bei der Gamepro arbeiten würde, müssten diese Reviews noch deutlich schneller fertig werden, denn ich hab ja noch einen Stapel mit ca. einen Duzend anderer Titel.
Natürlich sind Spiele Kulturgut. Natürlich sind die Kunstwerke. Aber als professioneller Spieletester hat man halt nicht immer die Zeit die man sich gerne nehmen würde um diesen Spielen die Aufmerksamkeit zu geben die sie verdienen. Dennoch hat man Verantwortung gegenüber seinen Lesern: Nämlich ihnen zu sagen, ob sich ein Spiel lohnt.
Für die deutsche Spielekritik ist der Vollständigkeitsanspruch zu einer Hypothek geworden. Ihr Detailfetisch gaukelt eine Gründlichkeit vor, die weder dem Medium gerecht wird noch dem eigenen Ziel.
Worte wie Fetisch funktionieren ja immer großartig, wenn man über jemanden herziehen will. Auf der einen Seite werden Spiele nicht ausgiebig genug analysiert, aber auf der anderen Seite wird zu detailreich über sie berichtet? Eine sehr detailreiche Berichterstattung geht doch letztlich auch darauf zurück, dass man seinen Lesern zeigen will warum sich ein Spiel lohnt oder nicht. Möglicherweise gibt es ja ein paar kleine Details, die das Spiel für manche Leute kaputt machen würden. Gerade auf einem Markt der von Shootern dominiert wird, sind es die kleinen Dinge, die einem besonders auffallen. Lest dazu mal das Gamersunity Review zu Homefront. Ich interessiere mich nicht die Bohne für dieses Spiel, aber Ru$h .IX gibt uns einen sehr guten Überblick darüber, was Homefront falsch macht im Vergleich zu anderen Kriegsshootern. Möglicherweise wird dieser Bericht nicht Videospielen als Kunst und Kulturgut gerecht, aber er sagt mir verdammt nochmal was an diesem Spiel gut ist und was nicht!

Den Teil über Gehalt kann und möchte ich nicht groß kommentieren. Wie gesagt, ich hoffe wirklich eines Tages mit Reviews Geld zu verdienen und die von Christian genannten Zahlen sind dabei nicht sonderlich ermutigend.
Was mich dann aber noch etwas stutzig macht, ist wie über Professionalität in der Branche geredet wird.
Die Verlage lagern Wissen aus, aber integrieren gleichzeitig Enthusiasmus und Fan-Tum. Eine nüchterne Distanz zum Medium macht das zumindest nicht wahrscheinlicher. Wie der deutsche Fachjournalismus einer Milliardenindustrie auf Augenhöhe begegnen will, wenn er sein Personal aus Amateuren rekrutiert, bleibt unklar.
Was mir hier unklar ist, ist wie es denn anders funktionieren soll. Wie soll man diesen Job ohne eine gehörige Portion Enthusiasmus denn bitte sehr angemessen erfüllen? Und meine Erfahrungen zeigen mir, dass dieser Enthusiasmus auch stark von Seiten der "Milliardenindustrie" kommt. Man könnte an diesem Punkt natürlich argumentieren, dass es der Job vieler Leute ist Begeisterung für ihr neues Produkt zu zeigen. Man nehme nur mal die ganzen PR-Leute (die Beziehung zwischen PR und Kritiker ist eigentlich eh noch mal ein Thema für sich) deren Job ist nur Begeisterung für ein Produkt zu zeigen. Aber noch viel krasser sind die eigentlichen Entwickler. Selten habe ich Menschen so begeistert für ihre Produkte erlebt wie Dax von Rocksteady oder Peter Molyneux. Und Nichts freut diese Menschen mehr, als wenn man ihnen mit dem selben Enthusiasmus begegnet. Eine nüchterne Kritik kann später immer noch folgen. Und journalistisches Niveau? Da bin ich ja eher ein Vertreter von Learning by doing.

Im Artikel wird die Frage nach der Zielgruppe gestellt. Und da kann ich mich nur den Worten von Mick Schnelle anschließen. Die Zielgruppe sind die Spieler. Denn um den Nichtspielern zu zeigen was Spiele alles können muss man sie erstmal zum Spielen bringen. Ich lese keine Theaterkritiken. Warum nicht? Weil ich nicht ins Theater gehe. Zugegeben, mein letzter Besuch ist schon ein paar Jahre her, aber bisher konnte ich dem Medium Nichts abgewinnen. Warum sollte ich also Kritiken über bestimmte Vorstellungen lesen?


Wohin also mit der deutschen Spielepresse? Das ist eine Frage die auch ein halbes Duzend Experten nicht in einer 1-stündigen Diskussion beantworten konnten.
Dieses Thema hat so viele Ecken und Kanten, da weiß man gar nicht wo man anfangen soll. Möglicherweise ob eine Bewertung in Zahlen überhaupt Sinn macht. Aber wisst ihr was? Damit befasse ich mich morgen.

Mittwoch, 7. September 2011

Ja, mich gibt's noch.

*kuckt auf den letzten Beitrag*

Scheiße, schon wieder 3 Wochen her, dass ich was geschrieben habe. Und noch dazu kam in den Monaten davor auch nicht viel Sinnvolles heraus. Keine Sorge, das ist nicht schon wieder einer meiner "Ich weiß nicht wie ich weitermachen soll"-Posts, wie sie ab und zu auftauchen. Ich habe nur grade mal wieder das Gefühl, dass ich zuwenig schreibe, es mir aber auch an Ideen mangelt.

Nicht, dass es mir an Content mangeln würde. Man muss nur einen Blick auf Stigma-Videospiele werfen um zu sehen, dass es immer noch dumme Leute gibt die dumme Dinge über Sachen sagen von denen sie keine Ahnung haben. Und dann wollte ich mich eigentlioch kurz im VDVC-Forum informieren wie es um unsere Petition steht und stoße auf die Meldung, dass wohl gerade eine Diskussion um den Stand der deutschen Spielepresse am laufen ist. Womit ich mich JETZT SOFORT sehr ausführlich auseinander setzen sollte, immerhin hab ich da schon mitgeredet.

Besagte Debatte kreist darum, dass Videospiele in der deutschen Presse zwar sehr akribisch zerlegt werden, die Artikel aber dem Stand des Mediums als Kulturgut nicht gerecht werden. Das ist ohne Frage eine Frage hinter die man sich mal hinter klemmen sollte. Ich ärgere mich grade wieder über mein Review zu Harveys neue Augen, weil eine klassische "Kritik" dem Spiel eigentlich kaum gerecht werden kann. Auch wenn ich die von der Gamestar eigentlich ganz gut fand.

Aber zurück zum Blog. Hier muss mal wieder irgendwas laufen, ich bin aber noch am hirnen was genau. Bei Gamersunity sind wir auch grade am hirnen, nämlich wie wir uns weiter entwickeln könnten und ich schätze mal, bis wir da ein klares Ziel vor Augen haben kann ich mich hier vielleicht ein bisschen austoben. Sofern mir die kommende Spielehochsaison Zeit dafür lässt. In meiner Xbox wartet gerade Warhammer 40.000: Space Marine auf mich und diese Woche müssten noch Testmuster zu Starfox 64 3D und Gemini Rue eintreffen. Und eigentlich wollte ich im September mir doch endlich mal eine PS3 von einem Freund ausleihen um zumindest mal Uncharted und so zu spielen. :P

Worauf ihr euch noch freuen könnt ist eine Podcast-Serie, die ich mich Modgamers und Gordon Creative starten möchte. Wir haben da so einige Ideen für Themen, aber wir müssen uns erstmal mit was simplem warm laufen. Aber ich werd dann auf jeden Fall drüber schreiben.

So, und jetzt les ich mal noch ein paar Artikel zu dieser Spielekritikdebatte und geh dann nochmal Orks jagen. Gute Nacht.

Montag, 15. August 2011

Gamescom 2011 - Ich bin dann mal weg

So, die Gamescom steht vor der Tür und ich habe schon wieder vergessen mit meinen treuen Lesern irgendein Treffen zu organisieren. Tatsache ist mein Terminkalender für die kommendenden Tage ist recht voll. Außer Mittwoch, aber da werden die meisten von euch vermutlich noch nicht auf dem Messegelände sein.
Ich vermute mal, ich werde Donnerstag zwischen 10 und 12 und dann nochmal nach 4 mal beim Stand des VDVC vorbei schauen. Versprechen kann ich nichts, aber vielleicht sieht man sich da ja mal.


Samstag, 6. August 2011

Gamescom 2011 - wir wollen eure Fragen

Die Gamescom steht mal wieder an und ich bin natürlich auch vor Ort. Würde mich natürlich freuen wenn ich mal ein paar meiner Leser persönlich treffen könnte. Dann will ich mal den Stand vom VDVC besuchen und wenn möglich auch der BPjM mal wieder auf die Nerven gehen.
Vor allem bin ich aber natürlich für die vielen Spiele da. Mein Gamersunity Kollege Benda hat dem GU-Team wieder eine ganze Reihe von tollen Presseterminen verschafft. Ich werde mir zum Beispiel Batman: Arkham City und Nintendos Wii U genauer unter die Lupe nehmen, mein Kollege Sir Uruk übernimmt alles wo Maschinengewehre drin vor kommen, wie z.B. Battlefield 3.

Und hier kommt ihr ins Spiel! Habt ihr irgendwelche Fragen, die wir für euch an die Entwickler oder Publisher weiterleiten können? Irgendetwas was euch brennend zu diesen bevorstehenden Hits interessiert? Dann postet sie in diesem Thread oder meinetwegen auch in den Kommentaren.

Hier die Liste:
  • Ace Combat: Assault Horizon
  • Anarchy Reigns
  • Assassin's Creed: Revelations
  • Asura's Wrath
  • Batman: Arkham City
  • Battlefield 3
  • Binary Domain
  • Call of Duty: Modern Warfare 3
  • The Darkness 2
  • Darksiders 2
  • Dark Souls
  • Elder Scrolls 5: Skyrim
  • Forza 4
  • Gears of War 3
  • Gotham City Impostors
  • Mario Kart 7
  • Mass Effect 3
  • Need for Speed: The Run
  • Ninja Gaiden 3
  • Prototype 2
  • PSP Vita
  • Resident Evil: Operation Racoon City
  • Resident Evil: Revelations
  • Ridge Racer: Unbounded
  • Soul Calibur V
  • Spider-Man: Edge of Time
  • Starhawk
  • Super Mario 3D Land
  • Tekken 3DS
  • Uncharted 3
  • WiiU
  • X-Men Destiny
  • Zelda: Skyward Sword

Super 8 - Filmkritik

Der Kino Sommer begann zwar schon im Mai, ist aber noch lange nicht zu Ende. Als nächstes auf der Liste: Super 8, der neue Film von Lost-Mastermind J.J.Abrahms und Filmlegende Steven Spielberg. Eine Hommage an Abenteuerfilme aus den 80ern, aber deswegen bei weitem nicht zu unterschätzen. Hier die Kritik zu Super 8 ...weiterlesen

Montag, 1. August 2011

Keine Sega-Zombies in Deutschland

Nein, ich rede nicht von einem Re-release der Dreamcast. Wie Schnittberichte berichtet, verzichtet Sega auf die Veröffentlichung der Kinect-Untotenjagd Rise of Nightmares und House of the Dead: Overkill - Extended Cut in Deutschland. Ein Release hierzulande wäre eh kritisch geworden, weil auch schon die Wii Version von Overkill nicht in Deutschland erschienen ist.

Das heißt, so einfach ist es dann doch nicht. Es war wie gesagt kein Fall von einer verweigerten Freigabe durch die deutschen Behörden, sondern allein Segas Entscheidung, die Spiele nicht in Deutschland zu veröffentlichen. Hier zeichnet sich so langsam aber sicher ein deutlicher Trend ab. Schon bei Aliens vs. Predator verzichtete Sega darauf, dass Spiel der USK überhaupt erst zur Prüfung vorzulegen. Damals fand ich das noch recht cool, aber inzwischen wünschte ich mir, sie würden es zumindest ab und zu mal versuchen. Wenn sogar Gears of War 3 durch die USK kommt, sollte man meinen ein paar Sega Spiele hätten zumindest eine Chance.

Ich wollte nur einmal kurz die Aufmerksamkeit darauf lenken, weil ich fürchte, dass es dieses Schicksal auf ein weiteres von Sega vertriebenes Spiel treffen wird auf das ich mich grade sehr freue: Der inoffizielle Madworld-Nachfolger Anarchy Reigns.

Also kommt schon, Sega. Gebt euch einen Ruck und reicht die Spiele zumindest mal zur Prüfung ein! Wenn Kratos, Marcus Fenix und Isaac Clarke es schaffen, dann gebt Jack Cayman auch noch eine Chance!