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Mittwoch, 30. November 2011

Praktikum bei der Badischen Zeitung

Wie bereits mehrmals erwähnt bin ich über meine Arbeit bei Gamersunity zu dem Schluss gekommen, dass mir Videospieljournalismus wirklich gefällt und, dass ich gerne weiter in dieser Branche arbeiten würde. Um noch ein paar Erfahrungen in einem weniger speziellem Themenfeld zu sammeln, habe ich die letzten 6 Wochen ein Praktikum bei der Badischen Zeitung gemacht, um genau zu sein in der Redaktion von BZ-Extra. Hier habe ich eine Reihe von Artikeln über alle möglichen Themen geschrieben, die aber kaum was mit meinem üblichen Kram hier zu tun haben. Die meisten Artikel sind schon nicht mehr relevant, weil es halt viele Freizeittipps waren, aber ich dachte so hab ich sie zumindest mal alle Artikel die online erschienen sind auf einem Fleck.

Das sieht jetzt nicht nach sonderlich viel aus, aber ich konnte nicht mehr alle Artikel finden und es waren auch eine ganze Reihe von Kurzmeldungen, jeweils nur ein paar Zeilen lang. So viel kann ich auf jeden Fall über mein Praktikum sagen: Auch wenn ich oft über Sachen berichtet habe, mit denen ich persönlich eher weniger anfangen konnte, hatte ich doch wirklich Spaß an der Arbeit dort. Auf jeden Fall mehr als an der Uni.

Mittwoch, 10. November 2010

Killerspiele - ein Kommentar

Im vergangenen Sommersemester besuchte ich einen Kurs namens "Journalistisches Schreiben". Im Rahmen dieser Veranstaltung schrieb ich ein Feature über das Thema "Killerspiele", welches, wie mir gesagt wurde, immer noch zu lang und emotional war. Vor kurzem bin ich endlich mit meiner Hausarbeit zu diesem Kurs fertig geworden. Das heißt, nicht ganz fertig. Ich habe das Thema Kommentar behandelt und deswegen auch einen eben solchen über das Thema geschrieben. Das Problem dabei ist, dass sich der Autor eines Kommentars von seinem Thema distanzieren muss und ein Kommentar über ein Ereigniss von dem man persönlich betroffen ist, eigentlich scheitern MUSS. Daher werde ich noch einen weiteren Kommentar zu einem etwas neutralerem Thema schreiben. Trotzdem habe ich einen längeren Kommentar zum Thema "Killerspiele" verfasst und dachte mir, bevor er auf meiner Festplatte versauert, kann ich ihn auch hier posten.


Kommentar: Die Killerspiel-Lüge

Ihre Zeitung lügt! Und ich erkläre Ihnen jetzt woher ich das weiß.

Im Jahr 2002 betritt Robert Steinhäuser sein ehemaliges Gymnasium in Erfurt und tötet 16 Menschen. Auf der Suche nach einer Erklärung stößt man auf den First-Person-Shooter Counter-Strike und die Jagd nach „Killerspielen“ in Deutschland nimmt ihren Anfang.

Aber niemand weiß wirklich, was ein „Killerspiel“ eigentlich ist. CDU/CSU-Politiker sprechen gerne von Spielen mit „gewaltverherrlichenden Inhalten“, aber solche sind in Deutschland laut dem Strafgesetzbuch bereits verboten. Mitglieder des Aktionsbündnis Winnenden sprechen von Spielen „die vom US Militär entwickelt wurden um die Gewalthemmschwelle zu senken“, aber das ist nichts weiter als ein vom Kölner Aufruf geschaffener Mythos. America's Army ist ein im Auftrag der US Army geschaffenes Rekrutierungstool und in Spielen mit einem modernem Kriegsszenario stehen ab und zu Soldaten den Entwicklern beiseite um das Spiel realistischer zu gestalten, aber allein die Vorstellung, dass Soldaten mit Videospielen das Töten antrainiert werden soll ist völlig absurd.

In diesem Zusammenhang wird auch oft die Behauptung aufgestellt, dass Amokschützen das Zielen am Computer trainiert hätten. An solchen Aussagen merkt man, wie verzweifelt die als „Spielekiller“ bekannte Fraktion ist, wenn sie einen glauben lassen will, dass man mit Maus und Tastatur lernt mit einer Handfeuerwaffe umzugehen.


Das Ziel, auch wenn die Definition schwammig bliebt, sind auf jeden Fall Action-Spiele mit virtuellen Schusswaffen und jeder hat etwas dazu zu sagen: Von Günter Beckstein zu Günter Jauch. Kriminologen, Journalisten und Polizisten. Die ARD, das ZDF, RTL. Sogar der Bundespräsident. Jeder hat eine Meinung was ein Killerspiel ist und warum es verboten werden sollte. Aber einer wird dabei nie gefragt:

Der Spieler.

Was bewegt den Spieler dazu, in virtuelle Welten abzutauchen, sein reales Leben hinter sich zu lassen und alleine oder mit gleichgesinnten Freunden den Kampf gegen Aliens, Orks oder auch gegeneinander aufzunehmen?

Ich weiß es, denn ich bin selbst ein Gamer. Und ich könnte jetzt stundenlang darüber reden warum aber das würden Rahmen dieses Kommentars sprengen.

Stattdessen möchte ich weiter darauf aufmerksam machen, wie Nicht-Spieler das Thema behandeln. Da haben wir bereits den entscheidenden Punkt: Nicht-Spieler.

Günster Beckstein hat nie einen Shooter gespielt. Edmund Stoiber hatte noch nie einen Controller in der Hand. Kriminologe Christian Pfeiffer lässt spielen, um danach Studien zu veröffentlichen, dass die Altersbeschränkungen zu lasch seien.

Berichte in Presse und Fernsehen zum Thema sind oft alles andere als neutral oder gründlich recherchiert. Fakten und Kontext einer Spielszene werden verschwiegen, Videoausschnitte werden manipuliert und falls das noch nicht reicht, um Zuschauer und Leser davon zu überzeugen, wie schlimm die brutalen „Killerspiele“ sind, dann schafft es allein der Tonfall des Moderators.


Besonders schlimm sind die Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sender: Da wird schon einmal vergessen zu erwähnen, das einem das Spiel für die auf dem Bildschirm gezeigte Tat Punkte abzieht. Oder, dass die im gezeigtem Video gefolterte Frau nicht etwa das Opfer des Spielers ist, sondern der Spieler selbst.

Die Spieler dagegen können nur zusehen und bestenfalls einen Beschwerdebrief schreiben, viel mehr bleibt nicht übrig. Und die Regelungen der GEZ erlauben noch nicht einmal einen richtigen Boykott der Sender.

Auch wenn die öffentliche Darstellung von Videospielen sicherlich nicht das größte Problem dieses Landes ist, so bewirkt die Berichterstattung und die politische Hetze doch vor allem eines: Sie enthüllt die Ignoranz und den Populismus von Politikern und Presse.


Video- und Computerspiele sind besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Und wenn diese jungen Menschen hören, wie eigentlich vertrauenswürdige und seriöse Informationsquellen Lügen verbreiten, dann fragen sie sich auch irgendwann, bei was für Themen diese Quellen eigentlich noch ähnlich dazu dichten. Kann man der Presse und dem Fernsehen denn noch trauen? Ich habe einen Grund gefunden das nicht mehr zu tun.

Mir ist bewusst, dass ich jetzt selbst nur angeklagt habe ohne etwas zu belegen. Aber ich bin auch nicht dazu verpflichtet die Wahrheit zu berichten. Die Medien sind es. Zu schade, dass ihnen das niemand sagt.

Donnerstag, 22. Juli 2010

"Killerspiel"-Feature Version 2.0

Sodele, ich habe den Text massiv gekürzt und so abgegeben. Ich bin nicht wirklich zufrieden damit, aber er musste prinzipiell erstmal nur existieren, damit ich den Kurs angerechnet bekomme.
Der Text ist jetzt nur noch 2 Seiten lang und ich habe mir Mühe gegeben auch der Gegenseite etwas mehr Boden zu geben. Leider habe ich dadurch auch einige bissige Kommentare weglassen müssen.
Auch für diesen Text habe ich wieder einiges an Feedback bekommen. Manche sagten er sei deutlich besser, andere wiederum meinten er sei immer noch zu einseitig und ich würde über zu viele Dinge gleichzeitig reden. Natürlich wäre die Spieleverbrennung des AAW alleine schon ein guter Ansatz für nen Artikel gewesen, aber ich wollte mehr von der Situation darlegen. Einmal abgesehen davon wollte ich "Familien gegen 'Killerspiele'" echt nur als Einleitung nutzen, immerhin ist das ganze schon über ein halbes Jahr her.

Ohne jetzt noch lange drüber zu reden, hier die Version die ich abgegeben habe, aber irgendwie habe ich meine Zweifel, dass das letzte mal war, dass ich an diesem Artikel werkle.


Ich habe wirklich keine Ahnung was ich falsch mache, aber wenn ihr diesen Text lesen wolt, müsst ihr die gesamte Seite markieren. :P

Samstag der 17. Oktober 2009. Ein trister und kalter Tag. Auf dem Platz vor dem Stuttgarter Operngebäude steht ein großer, buntbemalter Müllcontainer. Aufgestellt wurde er vom Aktionsbündniss Amoklauf Winnenden, den Hinterbliebenen der Ereignisse von Winnenden im letzten März. Ihr Plan: In diesem Container "Killerspiele" sammeln um sie später in einer Müllverbrennungsanlage zu vernichten. Denn gäbe es keine "Killerspiele", so das AAW, dann würde es auch weniger Amokläufe geben. Doch der Container bleibt leer. Über den gesamten Tag verteilt landen nur vier Spiele im Container: Zwei noch Originalverpackt, eine Spende von einer Gegenaktion und eines war als Witz gemeint. Hardy Schober, der Vorsitzende des AAW, wird die Aktion später trotzdem als Erfolg preisen, denn man wollte ja nur "provozieren" und "den Dialog mit den Spielern suchen", nachdem er Monate lang jedem Kontakt mit diesen aus dem Weg gegangen ist.
So ist der 17. Oktober für die Seite der Gamer vergleichsweise glimpflich ausgegangen, überraschend, bedenkt man den Grundgedanken der Aktion. Doch in der andauernden Debatte um ein Verbot von "Killerspielen" war dies eher eine Ausnahme.

Der Anfang
Das Thema "Killerspiele" wird immer eng verknüpft mit Jugendgewalt, im speziellen Amokläufen. Nach solchen Ereignissen wird immer schnell nach einem Grund gesucht und oft landet man bei brutalen Videospielen. Immerhin, kann das denn gesund sein, wenn Jugendliche Stunden damit verbringen auf dem Bildschirm virtuelle Menschen zu erschießen?
Die ganze Geschichte, begann 2002 mit dem Amoklauf von Erfurt. Der 19-Jährige Robert Steinhäuser drang bewaffnet in seine alte Schule ein und tötete 16 Menschen.1 Zwar löste bereits der Amoklauf in Littleton, Colorado, eine ähnliche Debatte in den USA aus, aber Erfurt machte das Thema in Deutschland Salon-fähig und brachte Politiker, Presse und Fernsehen dazu die sogenannten "Killerspiele" zum neuen Sündenbock der Nation zu machen.

Definition?
Aber was ist überhaupt ein "Killerspiel"? Bis zum heutigen Tage gibt es keine feste Definition des Wortes. Zwar wird es von Seiten der Verbotsbefürworter, welche von Gamern manchmal auch scherzhaft als "Spielekiller" bezeichnet werden, häufig erklärt, aber immer wieder ein bisschen anders. Das einzige worin sich die meisten Kritiker einig sind, ist, dass in den Spielen auf menschenähnliche Figuren virtuell geschossen wird.


Hardy Schober sprach nach der Aktion des AAW in Stuttgart von Spiele(n), die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt (Anmerkung: Er redet vermutlich von der "Gewalthemmschwelle") ihrer Soldaten zu senken.“ Dieses Argument findet sich recht häufig im Streit über brutale Computerspiele, vor allem im Kölner Aufruf2, doch es steht auf wackligen Füßen. America's Army ist die einzige Spiele-Serie welche im Auftrag der US-Armee entstanden ist und es handelt sich hierbei um ein Rekrutierungstool.
Wie sich ein Hauptmann der Bundeswehr gegenüber der GamePro äußerte, gäbe es zwar “Schießkinos”, in denen aber nur Teamtaktiken und Waffenhandhabung trainiert werden, aber weder die Bundeswehr noch die US-Armee nutzen normale Computerspiele zum Training und erst recht nicht zur Desensibilieserung der Soldaten.3


Dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann, der "Killerspiele" schon auf die selbe Stufe wie harte Drogen und Kinderpornografie stellte, "geht es allein um so genannte Killerspiele, Computerspiele also, die menschenverachtende Gewalttätigkeiten zum Inhalt haben.", ignoriert dabei aber, dass es bereits Gesetze gegen gewaltverherrlichende Medien gibt.

Studien
Sucht man nach wissenschaftlichen Studien zur Auswirkung die gewalthaltige Videospiele auf Jugendliche haben, stößt man auf sehr unterschiedliche Ergebnisse. Insgesamt ist es recht schwierig einen echten Experten für das Thema zu finden, da die Verbotsbefürworter immer das selbe Ziel im Auge haben, obwohl es ihnen weiterhin an Praxiserfahrung mit Videospielen mangelt, während die Spieler selbst in die Defensive gedrängt werden und natürlich auch ihr Hobby verteidigen wollen.


Erst letzten Monat veröffentlichte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, unter Leitung des Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer, eine Studie, die “Killerspiele” in Verbindung mit rechtsextremer Gewalt stellt: Je häufiger die Jugendlichen ihre Freizeit mit dem Konsum gewalthaltiger Medien (Horror-, Actionfilme, Kampfspiele, Ego-Shooter) verbringen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche durch ausländerfeindliche Einstellungen und rechtsextremes Verhalten in Erscheinung treten.”4


Eine Studie der amerikanischen Villanova University dagegen zeigt, dass Videospiele allein bei Weitem keine Gewalt im wirklichen Leben auslösen, es geht viel mehr darum wie gewaltbereit man grundsätzlich ist: ... it is crucial to consider the dispositional characteristics of the person playing the videogame when predicting the type of effect the violent videogame might have on his or her hostility."5

"Killerspiele" in den Medien
Ein weiteres (man könnte schon fast sagen das zentrale) Problem in der “Killerspiel”-Debatte ist wie einseitig die Medien über das Thema berichten. Positive Berichte über Computerspiele finden sich nur äußerst selten. Negative Berichte dagegen stehen auf der Tagesordnung vieler großer Sender. Mit den Details, oder Wahrheit, nimmt man es dabei nicht so genau. So wurde die "Killerspiel"-Sammel-Aktion des AAW vom ZDF als großer Erfolg dargestellt: "Bis zum frühen Nachmittag hatten vor allem Jugendliche etwa zwei Dutzend Computerspiele wie das umstrittene "Counter-Strike" in einen Müllcontainer geworfen." Was, wie bereits Eingangs erwähnt, nicht ganz der Wahrheit entspricht. Es waren nur 4 Spiele und “vor allem Jugendliche” trifft auch nicht wirklich zu.


Das RTL Boulevard-Magazin Explosiv hat vor kurzem ein ursprünglich auf YouTube veröffentlichtes "Let's Play"-Video missbraucht. In so einem Video nimmt ein Spieler ein Spiel auf und kommentiert es währenddessen. Bei RTL wurde nun dem Zuschauer der Kontext des Videos vorenthalten und es nachträglich bearbeitet um den Eindruck zu erwecken, der Spieler würde dermaßen unter Realitätsverlust leiden, dass er anfängt eine Spielfigur zu bedrohen.6

Kein Ende in Sicht
Aber was ist nun der Kern des Streits um Killerspiele. Ein Generationenkonflikt? Die meisten Spielekiller zeichnen sich dadurch aus, dass sie über 40 sind und ihrem Leben noch nie ein Gamepad in der Hand hatten, darunter viele Politiker.
Dabei ist es kein neues Phänomen, dass eine ältere Generation ein Erfindung verteufelt die von jungen Leuten mit so viel Freude und Enthusiasmus aufgenommen wird. Comics, Rock’n Roll, einst sicher auch mal sogar Bücher. Insofern ist es schwierig für die Gamer-Generation ein älteres Publikum davon zu überzeugen, dass ihr Hobby ein harmloses ist. Nicht zuletzt weil Politiker nicht gerade dafür bekannt sind, tolle Zuhörer zu sein.

Ein Ende der Debatte ist nicht in Sicht. Das AAW bleibt hart, Politiker bleiben stur, das Fernsehen lügt fröhlich weiter und Gamer argumentieren weiterhin mit Geduld und gesundem Menschenverstand und werden nicht gehört.

Quellen:
1. http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt
2. http://www.nrhz.de/flyer/media/13254/Aufruf_gegen_Computergewalt.pdf
3. http://www.gamepro.de/specials/amoklauf_in_winnenden_drill_durch_ego_shooter/1960333/amoklauf_in_winnenden_drill_durch_ego_shooter.html
4. http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=4433
5. http://www.escapistmagazine.com/news/view/101160-New-Study-Most-Teenagers-are-Unaffected-by-Violent-Gaming
6. http://greenninja87.blogspot.com/2010/05/rtl-missbraucht-youtube-video.html




Sonntag, 18. Juli 2010

"Killerspiel"-Feature Version 1.0

Wie ich erst kürzlich erzählt hab, arbeite ich im Moment für ein Journalismus Seminar an der Uni an einem Bericht zum Thema "Killerspiele". Nachdem Feedback welches ich letzte Woche im Kurs bekommen habe bin ich im Moment noch damit beschäftigt den Text etwas neutraler zu gestalten und vorallem zu kürzen, er ist nämlich ungefähr 3 mal so lang wie alle anderen Texte in dem Kurs. -_-

Bis der neue Text soweit ist, könnt ihr ja schonmal die ursprüngliche Fassung lesen. Wer Schreibfehler findet darf sie behalten.




Samstag der 17. Oktober 2009. Ein trister und kalter Tag. Auf dem Platz vor dem Stuttgarter Operngebäude steht ein großer, buntbemalter Müllcontainer. Aufgestellt wurde er vom Aktionsbündniss Amoklauf Winnenden, den Hinterbliebenen der Ereignisse von Winnenden im letzten März. Ihr Plan: In diesem Container die bösartigen "Killerspiele" sammeln um sie später in einer Müllverbrennungsanlage zu vernichten. Denn gäbe es keine "Killerspiele", so die Begründung des AAW, dann würde es auch weniger Amokläufe geben. Als die Aktion angekündigt wurde ging ein Aufschrei der Entrüstung durch das Internet. Doch der Container bleibt leer. Über den den gesamten Tag verteilt landen nur vier Spiele im Container: Zwei davon noch Originalverpackt, eingeschweißt und mit Rabataufklebern auf der Schachtel, ein weiteres war eine Spende von einer Gegenaktion vom Verband deutscher Video- und Computerspieler und das letzte Spiel war, wie ein Youtube Video beweist, als Witz gemeint. Hardy Schober, der Vorsitzende des AAW, wird die Aktion später trotzdem als Erfolg preisen, denn man wollte ja nur "provozieren" und "den Dialog mit den Spielern suchen", nachdem er Monate lang jedem Kontakt mit Spiele-Fans aus dem Weg gegangen ist.
So ist der 17. Oktober für die Seite der Gamer vergleichsweise glimpflich ausgegangen, überraschend, bedenkt man den Grundgedanken der Aktion. Doch in der andauernden Debatte um ein Verbot von "Killerspielen" war dieser Tag einer der wenigen Erfolge welche die Seite der Gamer wirklich einfahren konnte.

Der Anfang
Das Thema "Killerspiele" ist eng verknüpft mit Jugendgewalt und Amokläufen. Nicht etwa weil ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Themen besteht, sondern weil man sich gerne denkt, dass einer besteht.
Im Gegensatz zu weltlicheren Themen wie eine Umweltkatastrophe oder eine Politikerwahl betrifft und interessiert die Debatte um "gewalthaltige" Spiele und ein mögliches Verbot dieser nur eine recht kleine Gruppe vom Menschen, nämlich Politiker und Privatpersonen die ein Verbot unterstützen und die Gamer selbst. Aber darüber geredet wird meistens von Leuten die in ihrem Leben noch nie ein Videospiel gespielt haben und das merkt man ihren Aussagen an. Es ist die Rede von virtuellen Morden, Menschenverachtenden Inhalten, Bonuspunkte für das Erschießen von kleinen Mädchen, Industriell-militärischen Komplexen, die Liste ist schier endlos. Als Spieler bleibt einem bei solchen Vorwürfen erst mal die Spucke weg und man weiß garnicht wo man in seiner Verteidigung überhaupt anfangen soll. Es gibt unzählige Gründe warum man ein Videospiel spielt, doch Sadismus gehärt nicht dazu: Doch konzentrieren wir uns für diesen Artikel einmal auf die Seite der Nicht-Spieler.

Die ganze Geschichte, begann 2002 mit dem Amoklauf von Erfurt. Der 19-Jährige Robert Steinhäuser drang bewaffnet in seine alte Schule ein und tötete 12 Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten. Zwar löste bereits der Amoklauf in Littleton, Colorado, eine ähnliche Debatte in den USA aus, aber Erfurt macht das Thema in Deutschland Salon-fähig.
Wie sich heraus stellte war Steinhäuser im Besitz mehrerer nicht jugendfreier Filme und Computerspiele, was angesichts seiner Alters allerdings völlig rechtens war. Dennoch war dies der Punkt der Politiker, Presse und Fernsehen dazu brachte die sogenannten "Killerspiele" zum neuen Sündenbock der Nation zu machen.

Definition?
Aber was ist überhaupt ein "Killerspiel"? Bis zum heutigen Tage gibt es keine feste Definition des Wortes. Zwar wird es von Seiten der Verbotsbefürworter, welche von Gamern manchmal auch scherzhaft als "Spielekiller" bezeichnet werden, häufig erklärt, aber immer wieder ein bisschen anders.
Wie der Name schon andeuten soll, geht es in "Killerspielen" um das "Töten" der virtuellen Figuren. Aber ein Videospiel, egal wie brutal es sein mag, nur auf die Tatsache zu reduzieren, dass darin Abbildungen von Menschen mit Waffen bekämpft werden, tut dem gesamten Medium Unrecht. Es ist nunmal eine Tatsache, dass sich die Spiele-Industrie inzwischen nunmal auf Titel mit erwachsenen Inhalten konzentiert, da der Durchschnittszocker Mitte 30 ist. Es beklagt sich ja auch niemand über "Killerfilme" mit James Bond. Dennoch kommt es immer wieder zu haarsträubenden Definitionen:

Hardy Schober sprach nach der Spieleverbrennung des Aktionsbündniss Winnenden von „Spiele(n), die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt (Anmerkung: Er redet vermutlich von der "Gewalthemmschwelle") ihrer Soldaten zu senken. Das Problem bei uns ist halt, dass Spiele, die ab achtzehn freigegeben sind, Zehnjährige spielen.“ Nur, dass solche Spiele nicht existieren. America's Army ist die einzige Spiele-Serie welche im Auftrag der US-Armee entstanden ist und es handelt sich hierbei um ein Mittel um neue Rekruten anzulocken. Videospiele als "militärische Tötungssimulatoren" sind ein Mythos.
Dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann, der "Killerspiele" schon auf die selbe Stufe wie harte Drogen und Kinderpornografie stellte, "geht es allein um so genannte Killerspiele, Computerspiele also, die menschenverachtende Gewalttätigkeiten zum Inhalt haben." ignoriert dabei aber, dass es bereits Gesetze gegen gewaltverherrlichende Medien gibt.

Counter-Strike
Ein Spiel welches nach Erfurt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand und auch heute gerne noch als Paradebeispiel beider Seiten benutzt wird ist der Ego-Shooter Counter-Strike, welcher von der USK eine "ab 16"-Freigabe erhalten hat.
Die Genre-Bezeichnung rührt übrigens einzig und allein von der Tatsache, dass man diese Spiele aus der Ego-Perspektive, also den Augen der Spielfigur, steuert, auch wenn so mancher Spielekiller dem ganzen System einen Strick aus dem Wort Ego drehen möchte, weil sie den Zusammenhang nicht begreifen. Joachim Hermann sagte einmal in einem Interview: "Meine Söhne sind "Ego-shooter" auf dem Fußballplatz,".
In Counter-Strike übernimmt ein Team von Spielern die Seite der virtuellen Terrorristen, die eine Bombe platziert haben und nun vor dem anderen Team, einer Anti-Terror Einheit verteidigen müssen. Das Spiel entstand ursprünglich auf Basis des beliebten Action-Titels Half-Life, doch wurde schnell zum Hit. Entscheidend ist, dass Counter-Strike von Grad der dargestellten Gewalt noch relativ harmlos ist und unter Fans vorallem wegen dem taktischen Aspekt sehr beliebt ist.

"Killerspiele" in den Medien
Aber wenn eh keiner von den Spielekillern wirklich ne Ahnung hat , wo liegt dann das Problem? Es liegt vorallem daran, wie das Thema in den Medien präsentiert wird. Fernsehmagazine, egal ob von privaten oder öffentlich-rechtlichen Sendern, produzierten Sondersendungen zum "Mord im Kinderzimmer", Vorreiter unter ihnen der Journalist Rainer Fromm. Diese Beiträge und die meisten die in den kommenden 8 Jahren folgen würden bestanden zum Großteil aus unbegründeter Panikmache, schlecht recherchierten Fakten bis hin zu bösartigen Lügen:

- Die "Killerspiel"-Sammel-Aktion des AAW wurde vom ZDF als großer Erfolg dargestellt:
"Bis zum frühen Nachmittag hatten vor allem Jugendliche etwa zwei Dutzend Computerspiele wie das umstrittene "Counter-Strike" in einen Müllcontainer geworfen." Was, wie bereits Eingangs erwähnt, glatt gelogen ist. Es waren nur 4 Spiele und das eine Kind, welches vom ZDF dabei gefilmt wurde wie es die (verpackten) Spiele in den Container schmiss trug einen AAW-Pullover.

- Auch in fiktiven (also, fiktiveren) Sendungen hört das "Killerspiele"-Bashing nicht auf. In einer Folge der ARD Polizei-Soap Großstadtrevier geht es um einen skrupelosen Geschäftsmann der über sein Lastwagen Unternehmen ein (erfundenes) "Killerspiel" namens Killman IV ins Land schmuggelt um es dann von einem Dealer auf Schulhöfen verticken zu lassen. Auf dem Cover zu sehen: ein blutiger Schriftzug und ein Kindersoldat. Zu sehen bekommt der Zuschauer das Spiel selbst übrigens nie, aber aus dem Computer hört man Frauenschreie und Alarmsirenen, offensichtlich dazu gedacht mehr Abscheu beim Zuschauer zu zu erzeugen. Insgesamt war der Plot der Episode aber so aufgebaut, dass man Killman IV auch problemlos durch Partydroge XY hätte ersetzen können.

- Das RTL Boulevard-Magazin Explosiv hat vor kurzem ein ursprünglich auf YouTube veröffentlichtes "Let's Play"-Video missbraucht. In so einem Video nimmt ein Spieler ein Spiel auf und kommentiert es währenddessen. Bei RTL wurde nun dem Zuschauer der Kontext des Videos vorenthalten und das Video nachträglich bearbeitet um den Eindruck zu erwecken, der Spieler würde dermaßen unter Realitätsverlust leiden, dass er anfängt eine Spielfigur zu bedrohen.

Auch wenn letzters Beispiel vielleicht etwas an Eindruck verliert, wenn man die Quelle bedenkt, so sind dies nur ein paar Beispiele dafür, wie in den Medien mit dem Thema umgegangen wird. Im Heute-Journal wird Spielern auch schon mal Sadismus vorgeworfen.
In Print-Medien ist es normalerweise nicht ganz so schlimm.

Doch die Hetze der Spiele-Killer beschränkt sich nicht nur auf Fernsehauftritte. Im letzten Juni wurde das Intel Friday Night Game in Karlsruhe, eine Art Riesen LAN-Party, abgesagt, weil dort auch Counter-Strike und das (ab 12 freigegebene) Strategiespiel WarCraft III gespielt worden wäre. Wenige Wochen zuvor erteilten auch Stuttgart und Nürnberg dem Mega-Event eine Absage.


Kein Ende in Sicht

Aber was ist nun der Kern des Streits um Killerspiele. Ein Generationenkonflikt? Die meisten Spiele-Killer zeichnen sich dadurch aus, dass sie über 40 sind und ihrem Leben noch nie ein Gamepad in der Hand hatten. Dies trifft unglücklicherweise auf eine große Anzahl von wichtigen Politikern zu. Und es ist auch kein neues Phänomen, dass die ältere Generation ein Erfindung verteufelt die von jungen Leuten mit so viel Freude und Enthusiasmus aufgenommen wird. Das war so beim Rock'n Roll. Das war so bei Filmen und Comic-Heften. Höchstwahrscheinlich galt dies auch einst für das geschriebene Wort selbst.
Insofern ist es schwierig für die Gamer-Generation ein älteres Publikum davon zu überzeugen, dass ihr Hobby ein harmloses ist. Nicht zuletzt weil Politiker nicht gerade dafür bekannt sind, tolle Zuhörer zu sein.

Ein Ende der Debatte ist nicht in Sicht. Neu entfacht wird sie jedesmal von einem Amoklauf an einer Schule, aber zwischen diesen tragischen Ereignissen köchelt sie auf kleiner Flamme. Immer wieder lässt sich ein Politiker zu einem abwertendem Kommentar hinreißen oder ein Fernseh-Magazin holt das Thema für eine weiterer Tracht Presse-Prügel aus dem Schrank.

Nur das AAW bleibt hart, sammelt Unterschriften und appelliert an den Bundestag. Und angesichts ihres tragischen Hintergrundes fällt es Gamern schwer effektiv dagegen vorzugehen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht "Killerspiele" aus der Welt zu schaffen. Ohne sich damit zu beschäftigen was das überhaupt für Spiele sind und warum sie so beliebt sind.





http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt

http://www.gulli.com/news/joachim-herrmann-ber-2009-04-17/

http://greenninja87.blogspot.com/2010/05/rtl-missbraucht-youtube-video.html

http://www.pcgameshardware.de/aid,685350/Karlsruhe-Intel-Friday-Night-Game-nun-endgueltig-abgesagt/Spiele/News/

http://www.nrhz.de/flyer/media/13254/Aufruf_gegen_Computergewalt.pdf

Mittwoch, 14. Juli 2010

Die Wahrheit!

Nein, das ist kein Enthüllungspost über meine Arbeit für das KFN, sondern eher ein Punkt den ich bei meiner Aufklärngsarbeit im Bereich Videospiele bisher nicht bedacht habe.

Kurze Vorgeschichte: Ich besuche im aktuellen Semester an meiner Uni den Kurs "Journalistisches Schreiben", ein Modul 2 Deutsch-Seminar. Für diesen Kurs müssen wir zum Ende des Semesters einen Artikel in einer Textart und über ein Thema unserer Wahl abgeben. Ich entschied mich für das Thema "Killerspiele" und die Textsorte "Feature" schien für meinen Schreibstil passend. Gestern haben wir die vorläufigen Fassungen unserer Texte ins Seminar gebracht und ich konnte meinen vorstellen. Hierbei wurde ich auf 2 Dinge aufmerksam gemacht:
Zum einen war der Text immer noch zu sehr emotional und parteiisch. Doch einer meiner Kommolitonen machte mich auf ein anderes, recht wichtiges Problem aufmerksam. Ich werden den Text später hier noch veröffentlichen, bis es soweit ist, hier ein kurzer Ausschnitt in dem ich über die Definition von "Killerspielen" rede:
Hardy Schober sprach nach der Spieleverbrennung des Aktionsbündniss Winnenden von „Spiele(n), die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt (Anmerkung: Er redet vermutlich von der "Gewalthemmschwelle") ihrer Soldaten zu senken. Das Problem bei uns ist halt, dass Spiele, die ab achtzehn freigegeben sind, Zehnjährige spielen.“ Nur, dass solche Spiele nicht existieren. America's Army ist die einzige Spiele-Serie welche im Auftrag der US-Armee entstanden ist und es handelt sich hierbei um ein Mittel um neue Rekruten anzulocken. Videospiele als "militärische Tötungssimulatoren" sind ein Mythos.
Die meisten meiner Leser werden mir mit diesem Punkt vermutlich zustimmen. Ich habe auch schon in meinem Artikel über die gescheiterte Spieleverbrennung des AAW davon gesprochen. Hardy Schober glaubt an den Kölner Aufruf und damit an den militärisch-industriellen Komplex der hinter den Shootern dieser Welt steckt. Wenn man sich ein wenig länger mit dem Konzept beschäftigt muss einem eigentlich klar werden wie absurd das kling. Immerhin würde das bedeuten, dass dieser Komplex uns seit dem ersten Castle Wolfenstein auf ein Leben im Krieg vorbereitet. Aber es geht mir hier ja um mehr als die Unterstützung der Leute die eh schon meiner Meinung sind. Ich will auch Aufklärungsarbeit leisten und Leute von meinem Standpunkt überzeugen die bisher eher auf Seite der "Spielekiller" standen.
Und da kommen wir zu dem Dilemma den ich mit der obigen Aussage habe: Ich kann sie nicht beweisen. Natürlich wird es Hardy Schober, Christian Pfeiffer und dem Feuerwehrmann der den Kölner Aufruf unterschreiben hat ebenfalls schwer fallen eine Verbindung zwischen Grand Theft Auto IV und dem United States Marine Corps zu belegen. Aber wenn ich meine Antwort auf diese Beschuldigung nicht mit Fakten untermaure bin, auf die Gefahr hin überheblich zu wirken, auch nicht besser als die. Zumindest muss ich auf so etwas achten, wenn ich journalistische Texte verfasse.

Das wars fürs erste von mir zu dem Thema. Aber ich würde gerne eure Meinung dazu hören.