Dienstag, 19. März 2013

Frauen verkaufen sich schlecht - Update

Derzeit redet man oft und lang über die Darstellung und Behandlung von Frauen in Videospielen. Heute bin ich in diesem Kontext auf zwei Stories gestoßen, die mir glatt die Sprache verschlagen haben. Vielleicht habt ihr von der einen Sache schon gehört: Remember Me, ein Cyberpunkt Action-Adventur, das jetzt unter Capcoms Banner erscheint, hat lange keinen Publisher gefunden, weil sich Spiele mit weiblichen Protagonisten nicht verkaufen.

Es ist kein Geheimnis, dass die wichtigste Zielgruppe für die Videospiel-Industrie junge, männliche Weiße sind. Innerhalb dieser Gruppe gibt es garantiert einen größeren Anteil von Videospielern, auf die diese Aussage auch leider zutrifft. Dennoch finde ich diese Situation unfassbar deprimierend. Die Geschichte geht noch weiter und man geht noch mehr auf die Details ein, aber es gibt da noch ein anderes Thema, dass ich gerne anschneiden würde: Spielecover.

Vor ein paar Jahren habe ich mich noch darüber aufgeregt, dass die hübschen Spielecover von den hässlichen neuen Logos der USK verschandelt werden. Mit den Covern selbst habe ich mich aber bisher weniger befasst. Es gab in den letzten Jahren so einige "Kontroversen" um schlechte Covermotive. Das der Batman: Arkham City GOTY Edition z.B.. Das von Mass Effect 2 war auch ziemlich kacke. Auch Bioshock Infinite hat ein doofes Cover. In einem Spiel über eine fliegende Stadt, eine Frau mit telekinetischen Kräften und Steampunk Cyborgs zeigt das Cover einen weißen Typen mit 'ner Knarre.
Es gibt einen guten Grund dafür. Spielecover sind für die Leute, die sich nicht über Spiele informieren wie wir es tun. Eine Gruppe von Menschen die keine Reviews lesen und keiner Berichterstattung im Internet folgen, sondern in einen Laden gehen und ein Spiel aussuchen, weil ihnen das Cover gefällt. Ich erinnere mich an diese Phase. Ich war 6. Bugs Bunny's Crazy Castle war keine gute Wahl.

Eigentlich ist es furchtbar kleinlich, wenn wir uns über so eine Lapallie wie das Cover eines Spiels beschweren. Was könnte am Gesamtpaket irrelevanter sein? Aber dann bin ich auf eine Sache gestoßen, die mich doch etwas verstört hat. Nicht nur, dass ein weißer Typ mit kurzen dunklen Haaren der Held sein muss, weil diese sich einfach besser verkaufen. Es gibt quasi gar keine Spiele, bei denen weibliche Figuren überhaupt auf dem Cover zu sehen sind. Selbst wenn sie eine zentrale Rolle spielen wie Bioshocks Elisabeth. Sogar in Naughty Dogs The Last of Us wurde darüber gesprochen Ellie auf die Rückseite zu packen.
 
Ich wollte diese Aussage testen und bin mal meine Sammlung durchgegangen. Ws stimmt. Selbst in meiner recht umfangreichen Kollektion (zu der ich demnächst mal wieder Bilder posten werde) gibt es nur wenig Spiele mit Frauen auf dem Cover. Die Aussahmen sind Fighting Games á la Street Fighter, JRPGs und Point & Click Adventure. Sogar Resident Evil, eine Reihe die gerade zu überquillt mit Heldinnen, beschränkt sich beim Cover lieber nur auf den Namen und eine Zahl, anstatt uns Jill, Claire oder Sheva in heroischer Pose zu zeigen.

Ich bin jung, weiß und männlich. Und dieses Thema geht mir echt auf den Sack.

Update: Jim Sterling hat dem Thema eine neue Episode von Jimquistion gewidment. Wie üblich sehr sehenswert.

Kommentare:

  1. Mir fallen auf Anhieb auch nur Bayonetta und Venetica ein, wo Frauen auf dem Cover sind...

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  2. Die sich btw auch nur mässig verkauft haben, leider.

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  3. Ein Beispiel, bei dem man eine Frau auf dem Cover sieht, ist natürlich Tomb Raider. Dennoch taugt die Serie damit nicht durchgängig als Positivbeispiel: Erinnert sich jemand an die Verpackung von Underworld, wo man Laras Beine, Hotpants, Oberkörper (enges, bauchfreies Top), und geschminkte Schmolllippen präsentiert bekam, ihre Augen(!) aber keinen Platz mehr hatten?

    Möglicherweise ist Samus Aran die einzige Actionheldin, die ohne sexualisierenden Hintergedanken geschaffen wurde…

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  4. Wie hies das Spiel mit der Freerunnerin nochmal ?

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  5. Was mich dabei sehr wundert, ist, dass doch gerade bei einer Zielgruppe von jungen, männlichen Weißen Cover mit weiblichen Protagonisten ganz nach dem Motto "Sex sells" besser ankommen sollten! Was seit vielen Jahrzehnten bei Covern und Marketing sowohl in der Film- als auch in der Musik-Industrie gang und gebe ist, scheint in der Videospiel-Industrie nach wie vor noch nicht so recht angekommen zu sein, eigentlich komisch. Ist mir auch noch nicht so recht aufgefallen, ich hatte seit dem Playstation Zeitalter eigentlich eher das Gefühl, dass weibliche Figuren auf Videospiel-Covern recht häufig sind..

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  6. @Patrick: Samus ist... schwierig zu beurteilen. Nicht vergessen, am Ende steht sie im Bikini da. Und bis auf Other M ist auf keinem Cover zu erkennen, dass sie eine Frau ist.

    Tomb Raider ist mehr eine Marke als ein Charakter. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn das Reboot ursprünglich ein ganz anderes Spiel hätte sein sollen und erst nachträglich den Namen bekam.

    @M@max: Mirror's Edge ist auch gefloppt. Anscheinend genau deswegen.

    @Janukard: Ich denke das klappt in diesem Fall nicht, weil Videospiele interaktiv sind. Zwar will man Frauen ansehen, aber sie nicht spielen müssen.

    @Anonym: Ja. Hmm... Dazu muss ich nix sagen, oder? ^^

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  7. http://images.gamestar.de/images/idgwpgsgp/bdb/1776042/600x.jpg

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  8. @GreenNinja
    Ich habe Zweifel, ob deine These, dass sich Spielen mit Frauen als Protagonist schlecht verkaufen, zutrifft bzw. ob es daran liegt, dass dort eine Frau und nicht ein Mann die Handlung vorantreibt. Ich selbst kann bei aktuellen Titel leider kaum mitreden, da ich nur welche kaufe, die kein DRM (Zähle ich auch Steam zu) und kein Kopierschutz wie Securom haben und dann noch gut und kein casual Game sind (Aktuell Spiele ich Star Wars Rebellen von 1998). Auch wenn die Anzahl der von mir genutzten Titel überschaubar ist, sind da doch ein paar mit Frauen bei: z.B. Oni, Nolf, Oblivion, Portal (1 und 2) und natürlich Tomb Raider. Ich glaube nicht in meinem Leben mehr als 30 Singeplayertitel dieser Art gespielt zu haben (Ich bleib einem Spiel recht lange treu, Spiele z.B. seit 12 Jahren RtCW bzw. W:ET online), so dass ich in diesem Segment auf vielleicht sogar 20 % Anteil Spielen mit Frauen als Protagonisten komme, was ich nicht schlecht finde. Dabei habe ich mir aber nie ein Spiel ausgesucht, weil eine Frau (nicht) dabei ist, sondern weil es nach interessanten Spielen aussah. Nolf beispielsweise wurde mit von Freunden empfohlen und ist imho einfach ein ausgezeichneter "old school"-Schleich-Shooter. Ich hätte eher die Theorie, dass Publisher nicht wissen, wie sie Spiele mit Frauen verkaufen bzw. bewerben sollen. Dabei habe ich teilweise auch den Eindruck, dass wenn man schon eine Frau dabei hat auch der Rest des Spieles "ganz revolutionär" anders als alles, was es bisher gab, werden soll. Zumindest bei Mirros Edge hatte ich diesen Eindruck. Und "ganz andere" Spiele verklaufen sich nun einmal leider schlechter, egal ob ein Mann oder eine Frau drinnen ist. Trauriges Beispiel ist Looking Glas, auch wenn die Spiele super waren. Die meisten Menschen wollen eben nichts anderes kaufen, sondern das, was sie schon kennen. Anders lassen sich Spiele-Serien wie Call of Duty 15 etc. oder wo die mittlerweile sind ja nicht erklären. Dass man es nicht betonen muss, wenn Frauen gespielt werden können, zeigen ja Multiplayer- und Rollenspiele. Es ist normal, dass man bei TES auch Frauen generieren kann (Ich hatte da auch mal eine Magierin in Oblivion gespielt, doch leider bin ich mit der Spielmechanik nicht klar gekommen) und bei Shootern wie Quake, UT etc. gibt es auch weibliche Charaktere. U.a. auch in TF2, wo es ja auch ein Projekt gab, bei dem Frauen eingefügt wurden (obowhl ja schon eine dabei ist), was bei den Spielern auch gut ankam. Von daher meine ich, dass es Probleme bei Spielen mit Frauen vielleicht deswegen gibt, weil man es künstlich zum Problem macht, dass es ein Spiel mit Frau ist. Bei vielen Videospielen funktioniert das doch auch schon seit Jahren wunderbar: Metroid, Portal, Tomb-Raider, etc. Und bei anderen Spielen wie Bayonetta meine ich auch nicht mitbekommen zu haben, dass die großartige Probleme haben.

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  9. Other M ist das erste und bisher einzige Metroid bei dem auf dem Cover offensichtlich ist, dass es sich bei Samus um eine Frau handelt. Bayonetta hat sich so schlecht verkauft, dass sich jahrelang kein Publisher für das Sequel gefunden hat. Chell wurde in Portal 2 auf die Rückseite der Verpackung verbannt.

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  10. 1,3 Millionen Verkäufe von Bayonetta sind zu bemängeln? Risen hat bei 100.000 schon gefeiert. Bei meiner Half-Life-Verpackung ist auch kein Gordon drauf, sondern nur ein großes Lambda. Gleiches gilt für Opposing Force und Blue Shift.

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  11. Ich hoffe, man verzeiht mir meinen doch recht spaeten Kommentar... [liest vermutlich sowieso niemand]

    Bei Portal und Metroid ist aber nicht von Anfang an klar, dass der Spielercharakter weiblich ist, oder? Im originalen metroid war das ja der 'Witz'... Samus war urspruenglich als Mann designt worden [weswegen sie logischerweise auch nicht sexualisiert ist] und dann kam irgendwer darauf, dass es doch witzig waere, wenn sich am Ende rausstellt, dass in Wahrheit eine Frau im Anzug steckt.

    Das ist zwar nicht schlimm, sollte aber imho bei der Betrachtung des Spiels bedacht werden.

    Zu den Verkaeufen: Natuerlich weiss ich nicht, warum genau sich Spiele mit Frauen drin oder auf dem Cover schlechter verkaufen, ob sie es ueberhaupt tun und ob das irgendwie mit Frauen zusammenhaengt.

    Trotzdem ist es so, dass genau dieser Sachverhalt aber haeufig von Publishern als Argument genommen wird, eben keine Frauen als Hauptfiguren zuzulassen, sie nicht auf dem Cover abzubilden etc. Selbst wenn es also nicht stimmen soltle - was ja wuenschenswert waere - fuehrt diese Ansicht trotzdem dazu, dass absichtlich weniger Frauen in Videospielen gezeigt werden.

    Das Gleiche passiert uebrigens auch in anderen medien, so gab es z.B. Bedenken, Korra aus Avatar - Legend of Korra weiblich sein zu lassen, weil befuerchtet wurde, eine Heldin koenne vom Publikum nicht angenommen werden.

    Mir selbst ist das auch schon mal untergekommen, als ich ein weibliches Design fuer einen Player Character anfertigte.Tenor: "Der Hauptcharakter soll ein Junge sein. Niemand will Maedchen spielen!"

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  12. Keine Sorge, Yuri, ich freue mich fast immer über neue Kommentare.

    In Portal kann man ja sehr schnell rausfinden wie die Spielfigur aussieht, dafür muss man nur zwei Portale eng aneinander schießen und reinsehen.
    Samus wurde in der japanischen Anleitung des 1. Metroid als Frau bezeichnet, in der westlichen Übersetzung ging dieses Detail verloren. Das war aber auch eine andere Zeit und seit dem wird das ja in jedem Spiel deutlich gemacht. Über den Designprozess von Metroid weiß ich dagegen nichts.

    Das Problem mit den Verkäufen wurde denk ich schon oft erkannt. Es ist eine selbsterfüllende Prophezeiung: Spiele mit Frauen auf dem Cover verkaufen sich schlecht, also machen wir davon weniger und vermarkten sie nicht so intensiv, wodurch sich NATÜRLICH weniger verkaufen.

    Das Problem ist da, aber ich kann auch nicht mehr tun als drauf aufmerksam machen. Wobei meine üblichen Leser sicher nicht die Zielgruppe sind, für die diese Cover gemacht werden. :P

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