Sonntag, 18. Juli 2010

"Killerspiel"-Feature Version 1.0

Wie ich erst kürzlich erzählt hab, arbeite ich im Moment für ein Journalismus Seminar an der Uni an einem Bericht zum Thema "Killerspiele". Nachdem Feedback welches ich letzte Woche im Kurs bekommen habe bin ich im Moment noch damit beschäftigt den Text etwas neutraler zu gestalten und vorallem zu kürzen, er ist nämlich ungefähr 3 mal so lang wie alle anderen Texte in dem Kurs. -_-

Bis der neue Text soweit ist, könnt ihr ja schonmal die ursprüngliche Fassung lesen. Wer Schreibfehler findet darf sie behalten.




Samstag der 17. Oktober 2009. Ein trister und kalter Tag. Auf dem Platz vor dem Stuttgarter Operngebäude steht ein großer, buntbemalter Müllcontainer. Aufgestellt wurde er vom Aktionsbündniss Amoklauf Winnenden, den Hinterbliebenen der Ereignisse von Winnenden im letzten März. Ihr Plan: In diesem Container die bösartigen "Killerspiele" sammeln um sie später in einer Müllverbrennungsanlage zu vernichten. Denn gäbe es keine "Killerspiele", so die Begründung des AAW, dann würde es auch weniger Amokläufe geben. Als die Aktion angekündigt wurde ging ein Aufschrei der Entrüstung durch das Internet. Doch der Container bleibt leer. Über den den gesamten Tag verteilt landen nur vier Spiele im Container: Zwei davon noch Originalverpackt, eingeschweißt und mit Rabataufklebern auf der Schachtel, ein weiteres war eine Spende von einer Gegenaktion vom Verband deutscher Video- und Computerspieler und das letzte Spiel war, wie ein Youtube Video beweist, als Witz gemeint. Hardy Schober, der Vorsitzende des AAW, wird die Aktion später trotzdem als Erfolg preisen, denn man wollte ja nur "provozieren" und "den Dialog mit den Spielern suchen", nachdem er Monate lang jedem Kontakt mit Spiele-Fans aus dem Weg gegangen ist.
So ist der 17. Oktober für die Seite der Gamer vergleichsweise glimpflich ausgegangen, überraschend, bedenkt man den Grundgedanken der Aktion. Doch in der andauernden Debatte um ein Verbot von "Killerspielen" war dieser Tag einer der wenigen Erfolge welche die Seite der Gamer wirklich einfahren konnte.

Der Anfang
Das Thema "Killerspiele" ist eng verknüpft mit Jugendgewalt und Amokläufen. Nicht etwa weil ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Themen besteht, sondern weil man sich gerne denkt, dass einer besteht.
Im Gegensatz zu weltlicheren Themen wie eine Umweltkatastrophe oder eine Politikerwahl betrifft und interessiert die Debatte um "gewalthaltige" Spiele und ein mögliches Verbot dieser nur eine recht kleine Gruppe vom Menschen, nämlich Politiker und Privatpersonen die ein Verbot unterstützen und die Gamer selbst. Aber darüber geredet wird meistens von Leuten die in ihrem Leben noch nie ein Videospiel gespielt haben und das merkt man ihren Aussagen an. Es ist die Rede von virtuellen Morden, Menschenverachtenden Inhalten, Bonuspunkte für das Erschießen von kleinen Mädchen, Industriell-militärischen Komplexen, die Liste ist schier endlos. Als Spieler bleibt einem bei solchen Vorwürfen erst mal die Spucke weg und man weiß garnicht wo man in seiner Verteidigung überhaupt anfangen soll. Es gibt unzählige Gründe warum man ein Videospiel spielt, doch Sadismus gehärt nicht dazu: Doch konzentrieren wir uns für diesen Artikel einmal auf die Seite der Nicht-Spieler.

Die ganze Geschichte, begann 2002 mit dem Amoklauf von Erfurt. Der 19-Jährige Robert Steinhäuser drang bewaffnet in seine alte Schule ein und tötete 12 Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten. Zwar löste bereits der Amoklauf in Littleton, Colorado, eine ähnliche Debatte in den USA aus, aber Erfurt macht das Thema in Deutschland Salon-fähig.
Wie sich heraus stellte war Steinhäuser im Besitz mehrerer nicht jugendfreier Filme und Computerspiele, was angesichts seiner Alters allerdings völlig rechtens war. Dennoch war dies der Punkt der Politiker, Presse und Fernsehen dazu brachte die sogenannten "Killerspiele" zum neuen Sündenbock der Nation zu machen.

Definition?
Aber was ist überhaupt ein "Killerspiel"? Bis zum heutigen Tage gibt es keine feste Definition des Wortes. Zwar wird es von Seiten der Verbotsbefürworter, welche von Gamern manchmal auch scherzhaft als "Spielekiller" bezeichnet werden, häufig erklärt, aber immer wieder ein bisschen anders.
Wie der Name schon andeuten soll, geht es in "Killerspielen" um das "Töten" der virtuellen Figuren. Aber ein Videospiel, egal wie brutal es sein mag, nur auf die Tatsache zu reduzieren, dass darin Abbildungen von Menschen mit Waffen bekämpft werden, tut dem gesamten Medium Unrecht. Es ist nunmal eine Tatsache, dass sich die Spiele-Industrie inzwischen nunmal auf Titel mit erwachsenen Inhalten konzentiert, da der Durchschnittszocker Mitte 30 ist. Es beklagt sich ja auch niemand über "Killerfilme" mit James Bond. Dennoch kommt es immer wieder zu haarsträubenden Definitionen:

Hardy Schober sprach nach der Spieleverbrennung des Aktionsbündniss Winnenden von „Spiele(n), die vom US-Militär entwickelt worden sind, um die Gewalt (Anmerkung: Er redet vermutlich von der "Gewalthemmschwelle") ihrer Soldaten zu senken. Das Problem bei uns ist halt, dass Spiele, die ab achtzehn freigegeben sind, Zehnjährige spielen.“ Nur, dass solche Spiele nicht existieren. America's Army ist die einzige Spiele-Serie welche im Auftrag der US-Armee entstanden ist und es handelt sich hierbei um ein Mittel um neue Rekruten anzulocken. Videospiele als "militärische Tötungssimulatoren" sind ein Mythos.
Dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann, der "Killerspiele" schon auf die selbe Stufe wie harte Drogen und Kinderpornografie stellte, "geht es allein um so genannte Killerspiele, Computerspiele also, die menschenverachtende Gewalttätigkeiten zum Inhalt haben." ignoriert dabei aber, dass es bereits Gesetze gegen gewaltverherrlichende Medien gibt.

Counter-Strike
Ein Spiel welches nach Erfurt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand und auch heute gerne noch als Paradebeispiel beider Seiten benutzt wird ist der Ego-Shooter Counter-Strike, welcher von der USK eine "ab 16"-Freigabe erhalten hat.
Die Genre-Bezeichnung rührt übrigens einzig und allein von der Tatsache, dass man diese Spiele aus der Ego-Perspektive, also den Augen der Spielfigur, steuert, auch wenn so mancher Spielekiller dem ganzen System einen Strick aus dem Wort Ego drehen möchte, weil sie den Zusammenhang nicht begreifen. Joachim Hermann sagte einmal in einem Interview: "Meine Söhne sind "Ego-shooter" auf dem Fußballplatz,".
In Counter-Strike übernimmt ein Team von Spielern die Seite der virtuellen Terrorristen, die eine Bombe platziert haben und nun vor dem anderen Team, einer Anti-Terror Einheit verteidigen müssen. Das Spiel entstand ursprünglich auf Basis des beliebten Action-Titels Half-Life, doch wurde schnell zum Hit. Entscheidend ist, dass Counter-Strike von Grad der dargestellten Gewalt noch relativ harmlos ist und unter Fans vorallem wegen dem taktischen Aspekt sehr beliebt ist.

"Killerspiele" in den Medien
Aber wenn eh keiner von den Spielekillern wirklich ne Ahnung hat , wo liegt dann das Problem? Es liegt vorallem daran, wie das Thema in den Medien präsentiert wird. Fernsehmagazine, egal ob von privaten oder öffentlich-rechtlichen Sendern, produzierten Sondersendungen zum "Mord im Kinderzimmer", Vorreiter unter ihnen der Journalist Rainer Fromm. Diese Beiträge und die meisten die in den kommenden 8 Jahren folgen würden bestanden zum Großteil aus unbegründeter Panikmache, schlecht recherchierten Fakten bis hin zu bösartigen Lügen:

- Die "Killerspiel"-Sammel-Aktion des AAW wurde vom ZDF als großer Erfolg dargestellt:
"Bis zum frühen Nachmittag hatten vor allem Jugendliche etwa zwei Dutzend Computerspiele wie das umstrittene "Counter-Strike" in einen Müllcontainer geworfen." Was, wie bereits Eingangs erwähnt, glatt gelogen ist. Es waren nur 4 Spiele und das eine Kind, welches vom ZDF dabei gefilmt wurde wie es die (verpackten) Spiele in den Container schmiss trug einen AAW-Pullover.

- Auch in fiktiven (also, fiktiveren) Sendungen hört das "Killerspiele"-Bashing nicht auf. In einer Folge der ARD Polizei-Soap Großstadtrevier geht es um einen skrupelosen Geschäftsmann der über sein Lastwagen Unternehmen ein (erfundenes) "Killerspiel" namens Killman IV ins Land schmuggelt um es dann von einem Dealer auf Schulhöfen verticken zu lassen. Auf dem Cover zu sehen: ein blutiger Schriftzug und ein Kindersoldat. Zu sehen bekommt der Zuschauer das Spiel selbst übrigens nie, aber aus dem Computer hört man Frauenschreie und Alarmsirenen, offensichtlich dazu gedacht mehr Abscheu beim Zuschauer zu zu erzeugen. Insgesamt war der Plot der Episode aber so aufgebaut, dass man Killman IV auch problemlos durch Partydroge XY hätte ersetzen können.

- Das RTL Boulevard-Magazin Explosiv hat vor kurzem ein ursprünglich auf YouTube veröffentlichtes "Let's Play"-Video missbraucht. In so einem Video nimmt ein Spieler ein Spiel auf und kommentiert es währenddessen. Bei RTL wurde nun dem Zuschauer der Kontext des Videos vorenthalten und das Video nachträglich bearbeitet um den Eindruck zu erwecken, der Spieler würde dermaßen unter Realitätsverlust leiden, dass er anfängt eine Spielfigur zu bedrohen.

Auch wenn letzters Beispiel vielleicht etwas an Eindruck verliert, wenn man die Quelle bedenkt, so sind dies nur ein paar Beispiele dafür, wie in den Medien mit dem Thema umgegangen wird. Im Heute-Journal wird Spielern auch schon mal Sadismus vorgeworfen.
In Print-Medien ist es normalerweise nicht ganz so schlimm.

Doch die Hetze der Spiele-Killer beschränkt sich nicht nur auf Fernsehauftritte. Im letzten Juni wurde das Intel Friday Night Game in Karlsruhe, eine Art Riesen LAN-Party, abgesagt, weil dort auch Counter-Strike und das (ab 12 freigegebene) Strategiespiel WarCraft III gespielt worden wäre. Wenige Wochen zuvor erteilten auch Stuttgart und Nürnberg dem Mega-Event eine Absage.


Kein Ende in Sicht

Aber was ist nun der Kern des Streits um Killerspiele. Ein Generationenkonflikt? Die meisten Spiele-Killer zeichnen sich dadurch aus, dass sie über 40 sind und ihrem Leben noch nie ein Gamepad in der Hand hatten. Dies trifft unglücklicherweise auf eine große Anzahl von wichtigen Politikern zu. Und es ist auch kein neues Phänomen, dass die ältere Generation ein Erfindung verteufelt die von jungen Leuten mit so viel Freude und Enthusiasmus aufgenommen wird. Das war so beim Rock'n Roll. Das war so bei Filmen und Comic-Heften. Höchstwahrscheinlich galt dies auch einst für das geschriebene Wort selbst.
Insofern ist es schwierig für die Gamer-Generation ein älteres Publikum davon zu überzeugen, dass ihr Hobby ein harmloses ist. Nicht zuletzt weil Politiker nicht gerade dafür bekannt sind, tolle Zuhörer zu sein.

Ein Ende der Debatte ist nicht in Sicht. Neu entfacht wird sie jedesmal von einem Amoklauf an einer Schule, aber zwischen diesen tragischen Ereignissen köchelt sie auf kleiner Flamme. Immer wieder lässt sich ein Politiker zu einem abwertendem Kommentar hinreißen oder ein Fernseh-Magazin holt das Thema für eine weiterer Tracht Presse-Prügel aus dem Schrank.

Nur das AAW bleibt hart, sammelt Unterschriften und appelliert an den Bundestag. Und angesichts ihres tragischen Hintergrundes fällt es Gamern schwer effektiv dagegen vorzugehen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht "Killerspiele" aus der Welt zu schaffen. Ohne sich damit zu beschäftigen was das überhaupt für Spiele sind und warum sie so beliebt sind.





http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt

http://www.gulli.com/news/joachim-herrmann-ber-2009-04-17/

http://greenninja87.blogspot.com/2010/05/rtl-missbraucht-youtube-video.html

http://www.pcgameshardware.de/aid,685350/Karlsruhe-Intel-Friday-Night-Game-nun-endgueltig-abgesagt/Spiele/News/

http://www.nrhz.de/flyer/media/13254/Aufruf_gegen_Computergewalt.pdf

Kommentare:

  1. Neue Worte die ich behalten werde: Sadismus >gehärt< nicht dazu.

    " mancher Spielekiller dem ganzen System einen Strick aus dem Wort Ego drehen möchte, weil sie den Zusammenhang nicht begreifen. "
    Hier könnte man den EgoistenShooter einbauen ^^

    Zu CS fehlen mir die Studenten die es Entwickelt haben...

    "Höchstwahrscheinlich galt dies auch einst für das geschriebene Wort selbst."
    Es gab mal irgendwo (BBC oä) eine Doku bei der genau so was erwähnt wurde.
    "Das niederschreiben der Geschichten macht die Erzählungen unpersönlich und das Geschichten erzählen wird dadurch aussterben..." öä
    Da suche ich noch nach Quellen ^^
    PS Ebenso zu einer Quelle die die Angst vor Kinos (Lichtspielhäusern) und Zügen belegt (ab 30kmh wird der Mensch irrsinnig).

    Happy Coding.

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe den Text jetzt so gut gekürzt wie nur möglich. Jetzt ist er nur noch doppelt so lang wie alle anderen. Außerdem ist er neutraler, aber leider auch weniger bissig.

    AntwortenLöschen
  3. hast du mal überlegt am anfang noch nicht alle themen reinzupacken ? dein studium ist ja noch länger... :-)

    AntwortenLöschen
  4. Ich habe doch schon massiv gekürzt. ^_^

    Und falls ich mal ein neues Thema brauche kann ich immer noch über Zensur in Deutschland schreiben.

    AntwortenLöschen
  5. Aber ist es deien Them anaicht zuträgicher wenn du nicht alles in einem rundumschlag abhakst ? wenn du schoon soviel wissen hast dann mach doch bestimmte breiche richitg ausführlich, dann beitest du auch weniger angriffsfläche

    AntwortenLöschen
  6. Das wurde mir auch gestern zu meiner neuen Fassung gesagt. Dass ich zuviele Themen auf einmal angehe, obwohl die Einleitung alleine schon mehr als genug für ein Material wäre.

    AntwortenLöschen