Dienstag, 15. November 2011

Hate out of 10

Während die Diskussion um die deutsche Spielepresse, zumindest meiner Meinung nach, noch zu keinem befriedigendem Ende gekommen ist, kämpft die amerikanische Fachpresse immer noch mit dem Problem, welches jetzt von Jim Sterling jetzt offiziell Hate out of Ten getauft wurde. (Das Video ist übrigens mal wieder richtig gut. Unbedingt ankucken!) Es geht darum, dass für bestimmte Spiele nichts anderes als quasi perfekte Wertungen akzeptiert werden, sei es von Seiten der Entwickler oder der Fans. Auf VG247 gibt es einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema und auch dort spricht man jetzt von der "Great Review Debate".

Wie bereits mehrmals erwähnt liegt mir dieses Thema sehr am Herzen. Ich spiele und schreibe über Videospiele für mein Leben gern. Man kann dieses Problem von vielen Seiten angehen. Auf der einen Seite hat natürlich viel mit der im VG247-Artikel angesprochenen Situation mit den Publishern zu tun. Die Industrie arbeitet aus offensichtlichen Gründen eng mit der Presse zusammen und das kann Vor- wie Nachteile haben.
Viel eher sehe ich aber gerade das Problem im Fokus auf eine Wertung in Zahlen an sich. Nehmen wir z.B. das berüchtige Uncharted 3-Review von Eurogamer, in der das Spiel zwar für seine Inszenierung gelobt wird, der Kritiker sich aber über die Korridore ärgert in die ihn das Spiel zwingt. Ich habe Uncharted immer noch nicht gespielt, aber diese Kritik macht schon Sinn. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Spiel schlecht ist, aber es ist schon was dran.

Jims Review zu Arkham City hat auch so manche Gemüter erhitzt. Aber auch seine Kritik ist berechtigt. Das Tempo des Spiels (es gibt irgendwie keine passendere Übersetzung für "pacing") ist in der Tat nicht so perfekt wie in Arkham Asylum und die anderen Kritikpunkte die er anbringt sind ebenfalls gar nicht so dumm. All das verblasst aber im Angesicht der finalen Wertung, einer 8.5 von 10. Und das sollte nicht so sein!

Einer der Gründe warum wir uns auf Gamersunity konstant gegen eine Bewertung in Zahlen ausgesprochen haben ist, dass ein Review dadurch auf das Endergebnis allein reduziert wird. Genau das passiert hier nämlich. Es ist völlig egal was Reviewer über all die Spiele schreiben. Wichtig ist nur die Zahl am Ende. Und das geht mir grade tierisch auf den Sack!
Wenn ich mit meinem Bruder aus dem Kino komme hebt er manchmal die Hand und sagt nur "fünf" (von 5 möglichen Sternen). Und ich sage ihm, dass ich Filme nicht in Zahlen bewerten möchte. Und Spiele auch nicht. Es kann gut sein, dass mich mein Job eines Tages dazu zwingt The Legend of Zelda: Explain the fucking timeline already mit einer Prozentwertung zu versehen. Aber wenn es soweit ist, hoffe ich, dass mehr Leute ihren Kauf von dem abhängig machen, was ich geschrieben und nicht was ich errechnet habe.

Kommentare:

  1. Lieber GN,
    Ich glaube das problem geht weiter als nur Abschließende Punktbewertung oder nicht. Denn es muss sowohl möglich sein ein Spiel rezensorisch zu behandeln alsauch zu bewerten. Das Problem aber ist dass die Punktbewertung häufig als subjektiv empfunden wird, weil eine genaue herleitung nicht ersichtlich ist. In der Schule gibt es oft ähnliche Probleme da die Schulnote eben auch keine Aussage zur Person gibt, sondern eine Teilbereichsleistung widerspiegelt. Dennoch ist das System weitestgehend annerkannt und akzeptiert. Das liegt eben explizit an den Teilbereichen. So können Schüler und Eltern einen Fokus auf gute und schlechte Noten setzen ohne einen wie auch immer wertenden Gesamteindruck. Wie schwer wäre es also eine Review mit Teilbereichsnoten zu versehen (Handling Setting usw) und dem Leser dann die Rechnung einer Gesamtnote (wenn das als unabdingbar angesehen wird) selbst zu überlassen. Dadurch kann der Spieler bewusst die Wertung verschieben, subjektiv und nur für sich. (Ich zum beispiel habe Sport früher in meinem Zeugniss lieber nicht gewertet.

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  2. Interessante Idee mit dem selber ausrechnen. Auf Polyneux war neulich ein Artikel der betonte wie absurd es eigentlich ist "Harveys neue Augen" im Bereich Grafik überhaupt zu bewerten.

    Dennoch scheint die Antipathie hier primär auf der Zahl zu basieren. Die Fans klammern sich an die Zahlen und ignorieren die Begründung. Allerdings habe ich auch noch nicht alles gelesen was es zu dem Thema gibt. Es finden sich vermutlich auch ein paar sinnvollere Kommentare.

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  3. Den Artikel hier mein ich:

    http://www.polyneux.de/archiv/530-schmidt-show.html

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  4. Ich tu mich allgemein mit Bewertungen schwer (also auf Filme, Games, Bücher etc. bezogen. Okay nein, eigentlich auch bei anderen Sachen xD). Ich versuche gar nicht so doll auf die Kritiken zu hören, sondern selber zu testen. Denn die Bewertung ist nun mal Geschmackssache. Es kommt drauf an, mit welchen Erwartungen du einen Film anguckst oder ein Spiel zockst, deine Vorerfahrungen im jeweiligen Genre, ob du ein Fan bist oder nur mal reinschnupperst... es spielen so viele persönliche Faktoren eine Rolle und man kann das so schlecht pauschalisieren.

    Ich hab schon oft zB Filme für gut befunden, die von diversen Kritikern oder auch Freunden zerrissen wurden. Es ist einfach eine Sache des Blickwinkels und dazu hat nun mal jeder eine andere Meinung. Auch auf was du dein Augenmerk legst spielt eine Rolle: willst du lieber viel Action oder mehr Story, ist die die Optik am Wichtigsten oder die Kurzweile...

    Geschmack lässt sich nun mal schlecht bewerten.

    Deshalb mag ich auch gerne "persönliche" Reviews ohne Endnote wie auf Gamersunity oder die MW3-Review meiner Schwester: http://becksundlori.blogspot.com/2011/11/becks-spielt-call-of-duty-modern.html
    (Sorry Schleichwerbung, aber das passt grad so gut :D )

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