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Mittwoch, 25. Juli 2012

Zusätzliches FSK-Kennzeichen für Eltern

Ist 'ne Weile her, dass ich mich über eine Entscheidung des Familienministeriums aufregen konnte, aber jetzt hat auch die gute Frau Schröder endlich eine tolle Idee, wie man den Jugendschutz in Deutschland unnötig erweitern und verkomplizieren kann: Aktuell dürfen sich Kinder ab 6 Jahren in Begleitung der Eltern auch Filme ab 12 ansehen. Das geht natürlich überhaupt nicht. Wo kommen wir denn da hin, wenn die Eltern entscheiden, was ihre Kinder sehen dürfen und was nicht?!

Die Lösung ist, wie wir es von Familienministrium gewohnt sind, mal wieder einfach und genial. Und damit meine ich Resourcenvergeudend und bekloppt. Die FSK soll in Zukunft bestimmte Filme noch genauer prüfen, welche Filme in Begleitung der Eltern auch für unter 12-Jährige geeignet sind. Dafür soll dann die Zusatzkennzeichnung "Elternbegleitetes Kino" eingeführt werden.
Was für ein selten dämlicher und unnötiger Eingriff in die Erziehung von Seiten des Staats. FSK-Kennzeichen? Meinetwegen (auch wenn sie immer noch lächerlich groß sind). Aber das muss doch reichen. Als Elternteil muss man doch selbst in der Lage sein sich über einen Film zu informieren und zu entscheiden, ob er für die eigenen Kinder geeignet ist oder nicht. Wenn ich Kinder hätte, wäre das eine gute Gelegenheit mal wieder einen gepfefferten Brief für die Ministerin zum ignorieren zu schreiben.

Quelle: Spiegel.de

Donnerstag, 14. Oktober 2010

"Die FSK sind keine pädagogischen Empfehlungen"

Zur Zeit verbringen ich (endlich (?) ) wieder etwas mehr Zeit mit zocken, aber A New Beginning muss jetzt noch ein bisschen warten, denn es gibt wieder ein paar interessante Dinge zu berichten. Dass sich die Piratenpartei jetzt der Indizierung annehmen will ist einen seperaten Post wert, jetzt möchte ich über ein Zitat der Familienministerin schreiben.
Schon letzte Woche habe ich geschrieben, dass unsere aktuelle Familienministerin, Frau Dr. Kristina Schröder, sich die FSK einmal genauer ansehen will, nachdem die F.A.S. einen auf Christian Pfeiffer gemacht hat und gezeigt hat, dass ihnen so einige Bewertungen da nicht passen.

Inzwischen hat Frau Schröder die FSK besucht, so wurde es der Welt über ihren Twitter-Account mitgeteilt. Jetzt kann man sich natürlich die Frage stellen, ob sie da auch einen Lakaien für hat, so wie die, die all die Briefe an sie "beantworten", oder ob sie die selber schreibt, womit sie spontan mehr Medienkompetenz als ihre Vorgängerin beweisen würde. Auf jeden Fall erreichte mich vor einigen Stunden die folgende Nachricht:
Habe gerade die FSK besucht. Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass die Altersfreigaben keine pädagogischen Empfehlungen sind.
Habe vorhin schon kurz mit Modgamers drüber gechattet und wir haben uns gefragt was genau das jetzt bedeuten soll. Zuallererst würde ich gerne wissen: arbeiten bei der FSK etwa keine Pädagogen? Soweit ich weiß schon einige. Und aus irgendeinem Grund sogar Vertreter der Kirche. Aber was soll das Gerate? Fragen wir einfach das Internet:
Über 190 Prüferinnen und Prüfer sind ehrenamtlich für die FSK tätig, der Anteil der Prüferinnen beträgt 45 Prozent. Die Prüfer werden zum einen Teil von den Verbänden der Film- und Videowirtschaft, zum anderen Teil von der öffentlichen Hand für jeweils 3 Jahre benannt. Bei der FSK wird täglich in drei parallel arbeitenden Ausschüssen geprüft. Die Prüfer kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und Berufsfeldern. Unter ihnen sind Journalisten, Lehrer, Psychologen, Medienwissenschaftler, Filmhistoriker, Studenten, Sozialarbeiter, Hausfrauen, Richter und Staatsanwälte. Viele haben Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Okay, wenn ich das so lese, dann scheint
es tatsächlich gar nicht so abwegig, dass die FSK möglicherweise nicht gerade dazu prädestiniert ist, pädagogische Empfehlungen auszusprechen. Was befähigt Hausfrauen und Sozialarbeiter einen Film pädagogisch zu empfehlen? Und wäre es dann nicht eben doch sinnvoll, wenn eine pädagogische Empfehlung zusätzlich zur FSK-Wertung vergeben wird? Oder führt das nur zu Verwirrung, weil wir damit effektiv wieder 2 Wertungen haben die den Verbraucher irritieren?

Auf der anderen Seite... woher kommt überhaupt diese Annahme, dass die FSK pädagogische Empfehlungen ausspricht? Wer brachte Frau Schröder auf diese Idee? Brauchen wir so etwas? Ich meine, die Altersfreigaben sind ja nicht zum Spaß da, oder?
Meine Fresse, sind in diesem Beitrag schon viele Fragezeichen, ich muss mal den Schreibstil wechseln...
Wenn eine Institution wie die FSK existiert, die für die Öffentlichkeit verbindliche Freigaben für Filme verteilt, dann ist es doch erstmal völlig egal ob ein Film pädagogisch zu empfehlen ist oder nicht. Ich fürchte mit Frau Schröders Aussage wird ein Thema zur Sprache gebracht, dass eigentlich gar keiner Diskussion bedarf und im schlimmsten Fall nur dazu beiträgt die Arbeit der FSK zu untergraben.

Ich weiß ich habe auch ein paar (Medien-)Pädagogen unter meinen Lesern und wäre an eurer Meinung interessiert.

*Ninja geht A New Beginning spielen*

Dienstag, 5. Oktober 2010

Der F.A.S. Filmtest

Es gibt in den Reihen der deutschen Print-Medien so einige Vertreter denen ich gerne mal die Meinung geigen würde. Der ZEIT bin ich ja bekanntlich umheimlich dankbar für die doppelte Verlinkung im vergangenen Mai, aber es gibt auch da auch noch andere Vertreter der Presse denen ich nicht so wohl gesonnen bin. Was ich von der BILD halte, hab ich erst kürzlich ja genauer ausgeführt und auch die FAZ, um die es heute geht, hat sich auch schon zu Genüge blamiert.

Am vergangenem Sonntag fand sich in der F.A.S., also der Frankfurter Allgemeinem Sonntagszeitung, ein Artikel über die FSK. In diesem Artikel wird kritisiert, was die FSK denn heute alles unter dem "ab 12"-Siegel durchwinken würde. Die Autorin Florentine Fritzen geht gleich zu Beginn in die Vollen und zieht ihre Leser in den Bann mit einer Auflistung von schlimmen Szenen wie sie anscheinend in 12er Streifen zu sehen sind:
Wer sind die Leute, die entscheiden, dass zwölf Jahre alte Kinder diese Dinge sehen und hören dürfen? Den Jungen, dem die Augen weggebrannt werden. Den Pubertierenden, der seiner nackt neben ihrem Liebhaber schlafenden Mutter zwischen die Beine fasst. Die kleinen Jungen, die mit einem Beil abgeschlachtet werden. Den Mann, der seiner Freundin in einem Swingerclub in die Augen schaut, während sie mit einem anderen Mann Sex hat. Die Menschen, die aus nächster Nähe erschossen werden. Das Blut, das spritzt. Die Wörter, die Erwachsene für verschiedene Sexualpraktiken verwenden, und das viele Reden über Sex.
Ich möchte mich an diesem Punkt nicht darüber beklagen wie reißerisch das ganze aufgezogen ist. Wer Leute für einen längeren Artikel interessieren will, der muss sie auch gleich zu Beginn in ihren Bann ziehen. Persönlich wären mir an diesem Punkt ein paar Namen lieb gewesen.
Auch wenn es nur als Einleitung gedacht ist, stehen wir hier aber vor dem klassischem Problem von mangelndem Kontext und ich bin mir nicht sicher ob das weglassen des Namens diese Situation verbessert. Aber ich wollte mich ja nicht an dem Teil aufhängen, gehen wir mal weiter im Artikel.

Es folgt eine kurze Zusammenfassung der Arbeit der FSK und ein sehr interessanter Fakt:
Die Produktionsfirmen lassen sich die Prüfung daher etwas kosten: 46 Cent pro Filmmeter zahlen sie an die FSK, das macht bei einem durchschnittlichen Kinofilm von 2700 Metern 1242 Euro plus Mehrwertsteuer.
Ich will diese Aussage nicht auseinandernehmen, dachte mir aber sie sollte extra hervorgehoben werden. Keine Ahnung inwiefern so etwas berechnet wenn ein Film digital aufgenommen wird. Für eine durchschnittliche Filmproduktion, selbst wenn sie nicht aus Hollywood stammt, sind 1200 Euro doch eher kleine Fische, oder? Um mal wild ein Beispiel raus zu suchen: die deutsche RomCom Keinohrhasen mit Til "der Mann ist nie im Leben Schauspieler" Schweiger kostete laut Wikipedia läpische 4,2 Millionen Euro.

Aber ich schweife ab, wie schon so oft. Zurück zum eigentlichen Artikel.

Laut einem der FSK-Prüfer wäre eine Freigabe "ab 14" alles deutlich einfacher, weil der Schritt zwischen 12 und 16 so groß wäre. Das ist prinzipiell gar keine so doofe Aussage. Schauen wir uns ausländische Bewertungssystem an, kommen wir zu einem ähnlichen Schluss. In England z.B. gibt es ein 12er, dann ein 15er und letztlich das 18er Rating. Das System zu ändern ist natürlich leichter gesagt als getan:
An den historisch gewachsenen Freigabestufen will sie aber nicht rütteln. Weil sie "bekannt und gelernt" seien - und wegen des "Überprüfungsproblems" an den Kinokassen, wenn die Altersfreigaben stärker abgestuft würden: "Dann müsste man eine Kinderausweis-Tragepflicht einführen."
Gerade das Argument mit den Kinderausweisen kann ich sogar noch nachvollziehen. Insgesamt ist der Artikel durchaus Lesenswert, aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht reden. Eigentlich geht es mir um den offiziellen FSK12 Filmtest der F.A.S.
Ich habe mich diesem Test ein paar entscheidende Probleme.
  1. Zum einen würde ich gerne wissen, was genau die FAZ-Redaktion meint so viel besser machen zu können als die FSK selbst. Ich bin bin bekanntlich jetzt kein wahnsinnig großer Freund deutscher Bewertungsbehörden, aber ich finde es auch nicht so toll wenn selbsternannte Moralapostel auf die Idee kommen sie könnte das deutlich besser machen. Christian Pfeiffer hat auch schon versucht auf ähnliche Weise die USK zu untergraben, in dem Mitarbeiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen sich durch eine Reihe von 16er und 18er Games gespielt habem um dann der Welt zu verkünden, dass sie die Spiele ganz anders bewertet hätten.
  2. Die Auswahl der Filme. Wenn sie sich jetzt auf Actionfilme wie James Bond, Transformers oder Van Helsing beschränkt hätten, wäre das nicht so tragisch. Aber in der Liste finde ich einige Filme die man vielleicht nicht einfach nur nach dem Gewaltgrad beurteilen kann. Der Untergang, Schindlers Liste, Die Welle. Ich halte Filme mit historischem Hintergrund für eine sehr gute Methode, zumindest als Ausgangspunkt, Jugendlichen ein gewisses Maß an historischen Fakten zu ermitteln. Nicht zuletzt weil Schindlers Liste vielleicht einfach nen größeren Eindruck hinterlässt als den Stoff im Unterricht durchzukauen. Darauf kann man später immer noch aufbauen. - Filme wie Die Welle auf der anderen Seite haben eine Botschaft die vielleicht gerade Jugendliche zwischen 12 und 16 erreichen sollte. Möglicherweise hat die Neuverfilmung nicht ganz die selbe Wirkung wie das geschriebene Original, aber wenn dieser Film ab 16 wäre würde das sicher an der Zeilgruppe vorbei gehen.
  3. Und wieder einmal werden Szenen völlig aus dem Kontext gerissen um alleine an den Pranger gestellt zu werden. Hey, na sowas! Schon wieder was wofür ein Pfeiffer bekannt ist. Das bringt echt jedes mal wieder auf die Palme. Wenn irgendein Besserwisser so eine Szene völlig aus der Gesamthandlung reisst und dann darüber lästert. Ich würde an diesem Punkt nur zu gerne direkt aus den Filmbeschreibungen zitieren, aber leider ist das ganze Ding so formatiert, dass ich den Text dort nicht markieren kann. - Ja, die dort beschriebenen Szenen sind alle brutal, aber eben nur weil man sie alleine betrachtet. Das Spiel kann ewig weitergespielt werden. Wie wäre es mit einem Film in dem angedeutet wird, dass der Schurke von seinen Untergebenen zerfleischt wird? Der ist von Disney. Oder soll ich von den diversen Verstümmelungen in einer weit, weit entfernten Galaxis anfangen?
  4. Es werden Szenen aus Transformers 2 beschrieben, obwohl das Cover und der Titel auf den ersten Film deuten. Das ist wirklich nur ein ganz kleiner Kritikpunkt im großen und ganzen, aber es nervt.

All das hätte nur ein weiterer Fall von moralischem Enthusiamsmus sein können, über den man kurz berichtet und der dann unter den Teppich gekehrt wird. Dieses mal könnte das allerdings schwieriger werden, denn jetzt nimmt sich die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder der Sache an.
"Filme, in denen die Helden sich durch antisoziales, destruktives oder gewalttätiges Verhalten auszeichnen, können für die Entwicklung von Zwölfjährigen sehr gefährlich sein. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass da, wo FSK 12 draufsteht, auch FSK 12 drinnen ist. Was die F.A.S. aufgezählt hat, lässt mich daran zweifeln."

...

Aufgrund des Berichts der F.A.S. will die Bundesfamilienministerin nun schnellstmöglich das Gespräch mit der FSK suchen, um ihre Begründung für diese Freigaben zu hören. Dabei gehe Frau Schröder mit einer klaren Prämisse in das Gespräch: "Priorität hat der Kinderschutz, nicht der Kommerz."
Auf die Gefahr hin, dass das jetzt ein wenig egoistisch klingt: Das ist so eine Art Worst Case Szenario für Filmfans. Denn noch geht es nur um 12er Filme, was alleine eigentlich schon schlimm genug ist. Aber was ist, wenn Frau Schröder dann auf die Idee kommt sich mit dem bereits viel zu striktem Rest des deutschen Jugendschutzes auseinander setzt? Mein Brief an sie damals, wurde ja von ihren Lakaien abgefangen, aber es scheint als würde sie eine ähnliche Schiene wie ihre Vorgängerin fahren.

Ich weiß nicht was sich aus dieser Sache noch entwickeln wird, aber ich mache mir Sorgen darum, was passieren könnte wenn die neue Familienministerin beschließt bei der FSK Hausputz zu betreiben.

*Ninja vanish*