Montag, 1. Juni 2009

Brief an die CDU

Nachdem ein Nutzer im Forum von Stigma-Videospiele.de als Reaktion auf die Absage der IFNG einen sehr wütenden Brief an die CDU geschrieben hat und darauf, wie zu erwarten war, eine Standartantwort bekam, wollte ich mal wieder selbst was an die werten Damen und Herren der Union schreiben. Das kam dabei herraus. Falls ich eine Antwort bekommen sollte, werd ich sie natürlich gleich hier veröffentlichen.

Sehr geehrte Mitglieder der CDU,

ich richte mich an sie mit einem wichtigen Anliegen. Ihre Einstellung zum Thema PC- und Videospiele.
Kürzlich las ich online ein Antwortschreiben Ihrer Partei, auf einen Brief eines jungen Mannes der über die Absage der Intel Friday Night Games in Frankfurt sehr verärgert war. In Ihrem Antwortschreiben fiel mir ein Teil ganz besonders auf:

„Mit dem Werteverständnis der CDU sind Spiele, bei denen es darum geht, möglichst viel zu töten, nicht vereinbar. Spiele, die zu Gewalt,menschenverachtenden Handlungen und Brutalität anleiten, widersprechen unserer christlichen Grundhaltung. „

Dies ist nicht das erste mal, dass ich diese Aussage von einem Mitglied Ihrer Partei höre. Und es ist natürlich auch Ihr gutes Recht, diese Einstellung zu vertreten. Dennoch muss ich Ihnen hierzu einmal selbst einige Dinge mitteilen. Ich denke ich muss nicht auf ihre Aussagen über „menschenverachtende“ Spiele genauer eingehen. In den letzten Wochen, ach was, in den letzten Jahren, wurde nur allzu deutlich, dass die Spieler-Gemeinde in Deutschland offensichtlich eine völlig andere Einstellung zur „Brutalität“ auf dem Bildschirm hat, als die Vertreter der CDU wie zum Beispiel Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech. Und es ist auch klar, dass die CDU nicht von ihrem Standpunkt abweichen will. Das ist wie bereits gesagt ja auch natürlich Ihre freie Entscheidung. Ich möchte aber, dass Sie eines bedenken: PC- und Videospiele sind in der inzwischen fest in der Unterhaltungskultur unseres Landes verankert, werden von Menschen zwischen 5 und 55 gespielt, völlig unabhängig vom jeweiligen Genre. Nicht, dass Sie sich wirklich vor eine Genre-Einteilung unter Spielen interessieren würde, inzwischen sind ja sogar Final Fantasy und WarCraft als „Killerspiele“ bezeichnet worden.
Worauf ich damit hinaus will ist folgendes. Sie, als Partei, müssen realisieren, dass Sie mit Ihren Forderungen, Halbwahrheiten und manchmal sogar dreisten Lügen vielleicht einige Wählerstimmen sichern können. Aber Sie werden auf jeden Fall eine Menge verlieren. Wenn sogar die junge Union gerügt wird, weil Sie nicht mit dem blinden Aktionismus ihrer Gründungspartei einverstanden ist, zeigt sich doch recht deutlich, dass die CDU/CSU anscheinen nicht an den Stimmen junger Wähler interessiert ist.

Des weiteren möchte ich noch etwas anmerken. Wenn Sie die „menschenverachtenden Handlungen“ in Videospielen nicht mit ihrer „christlichen Grundhaltung“ vereinbaren könnten, ob Sie sich dabei nur auf Spiele beschränken wollen. Ein James Bond-Film kann genauso gut eine „Anleitung zum töten“ sein wie etwa „Counter-Strike“. Und ist es nicht etwa auch „menschenverachtend wenn „Max und Moritz“ am Ende ihrer Streiche in der Mühle des Bäckers landen? Dies mögen auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogene Vergleiche sein, aber sie haben doch eine entscheidende Gemeinsamkeit: Fiktion. Egal, ob James Bond, der Terminator, Counter-Strike, WarCraft, Max und Moritz, der Struwelpeter; all das ist Fiktion. Und jeder Grundschüler weiß das. Denken Sie einmal darüber nach, dann wird Ihnen vielleicht klar, wie merkwürdig Ihre Forderungen nach einem Verbot von „Killerspielen“ für viele klingen mag.

Ein letzter Punkt noch: ebenfalls unter dem Deckmantel des Jugendschutzes wurden in letzten Wochen Verbote von Paintball sowie dem aus Amerika kommenden „Ultimate Fighting“ gefordet, begründet mit ähnlichen Argumenten wie beim Spiele-Verbot. Sollten Sie als Partei, diese Veranstaltungen ebenfalls nicht mir Ihrer „christlichen Grundhaltung“ vereinbaren können, fordere ich Sie dazu auf eben so Kampfsportarten und Olympische Disziplinen wie Boxen, Fechten und Ringkampf zu verbieten! Entweder Sie stehen vollständig zu Ihren Werten, oder gar nicht.

Hochachtungsvoll
Konrad Huber

Kommentare:

  1. Netter Brief, nur leider glaub ich kaum, dass da ne positive Rückmeldung kommen wird.

    Hab letzte Woche eine Nachricht an den Herrn Rech geschickt mit dem Vergleich zwischen Fußball und Lans. Hab ihn gefragt, warum speziell Lan Parties wg. Gewalt abgesagt werden, obwohl es bisher nie zu Gewalttaten gekommen ist - im Gegensatz zum Fußball mit Verweis auf die neuen Krawalle nach den Spielen letzte Woche. Hab keine Antwort bekommen bisher - wollte auch keine, da ich nur eine Kritik schreiben wollte - nett formuliert (habs geschafft). Einen Tag später hieß es dann bei stigma-videospiele, dass es die Killerspieler seien, die nach so Spielen randalieren - also wenn das kein Zufall ist...

    AntwortenLöschen
  2. Mir ist dem Brief ein ganz ganz peinlicher Fehler passiert.

    Ich hab von der Absage in Frankfurt geschrieben. Dabei war das doch in Karlsruhe. Man man man ist mir das peinlich.

    AntwortenLöschen
  3. Sowas kann passieren, nachdem ja schon so einige Intel Friday Night Games abgesagt wurden ist eine Verwechslung nicht ausgeschlossen.

    Nichtsdestotrotz denke ich ist der Grund des Briefes verständlich und wird vielleicht auch Gehör finden - auch wenns negativ (das Gehör)ist.
    Meine Nachricht an den Herrn Rech hat es im Prinzip ja (also Gehör gefunden), auch wenn seitdem "K-Spiele" vereinzelt als Ursache für Gewalttaten nach Fußballspielen genannt werden - auch wenn ich nicht sagen kann ob mein Brief der Auslöser war. Mich würde es interessieren wer auf die Idee kam...

    AntwortenLöschen
  4. Ich hab nie ne Antwort auf meine Mail an Herr Rech bekommen.
    Diese Fußball Geschichte ist aber echt der größte Witz bisher....:P

    AntwortenLöschen
  5. Ich hab auch noch keine Antwort erhalten... hab ihm aber bei meiner Nachricht auch geschrieben, dass er es als Kritik betrachten soll und nicht als Aufforderung mir eine Antwort zu schreiben. Meistens sind die Antworten eh negativ, wie man ja an der indirekten Antwort (Fußballrandalierer = K-Spieler) sehen kann.

    AntwortenLöschen
  6. Ich schätze ich werd meinen Brief auch mnochmal an die CDU Kalrsruhe speziell schicken. Der da ging jetzt an die CDU im Allgemeinen.

    AntwortenLöschen
  7. Mach das ... kann ja nicht schaden.

    AntwortenLöschen