Donnerstag, 6. Mai 2010

Wolf-Dieter Ring äußert sich zum Computerspielpreis

Angesichts meines Epic Win vorgestern denke ich mir es ist das beste hier öfters mal was zu schreiben als ich in den 2 Monaten davor gemacht habe. Über Stigma-Videospiele bin ich auf ein Interview von der PC Games mit Herrn Wolf-Dieter Ring, dem Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz und Vorsitzender der Jury des deutschen Computerspielpreises, gestoßen.

Dragon Age: Origins und Uncharted 2 gehören nach Meinung der Fachleute zu den hochwertigsten Produktionen der letzten zwölf Monate, gingen aber leer aus. Welche Argumente haben letztlich dazu geführt, dass diese nominierten Titel nicht als preiswürdig in der Kategorie „Bestes internationales Spiel“ eingestuft wurden?
Der Deutsche Computerspielpreis wurde vom Bundestag initiiert, der auch klare Vorgaben für die Kriterien gemacht hat. Danach müssen preiswürdige Spiele qualitativ hochwertig sowie kulturell und pädagogisch wertvoll sein. Selbstverständlich liegt dem eine explizite Strategie zugrunde. Mit dem Preis soll der Anreiz geschaffen werden, vermehrt solche preiswürdigen Spiele zu entwickeln und ihre Vermarktung zu unterstützen. Die Jury hat sich bei der Bewertung der Spiele an diese Vorgaben zu halten.
In der Fachsprache nennt man das glaube ich "den Schwarzen Peter weiterreichen". Das Problem lag also nicht an der Jury, die haben sich nur an die Vorgaben des Bundestages gehalten. Na da bin ich aber beruhigt. Die Jury war gar nicht so schlimm wie ich dachte, das Problem sitzt offenbar weiter oben. Wie so oft. -_-

Anyway, da haben wir irgendwie den zentralen Knackpunkt. Qualitativ hochwertige Spiele gibt es zuhauf. Ich hab mich nicht sonderlich mit Dragon Age Origins befasst, aber es war schwer der fantastischen Presse für Uncharted 2 zu entgehen.
Aber wie ist das mit den anderen beiden Punkten? Kulturel und pädagogisch wertvoll müssen Spiele sein, die den deutschen Computerspielpreis erhalten. Ich hab ja jetzt nichts dagegen, wenn ein Spiel pädagogisch wertvoll sein möchte, aber wer auch immer diese Kategorieren verfasst hat, dem muss doch bewusst sein, dass der Pädagogik-Faktor bei einem Spiel welches eine 16er oder 18er Freigabe trägt eher vernachlässigbar ist, oder?
Und kulturel wertvoll? Tja, wann ist ein Videospiel kulturell wertvoll? Ich habe noch nie einen Anno-Teil gespielt, kann mich also nicht wirklich dazu äußern, aber nach allem was ich von Dragon Age gehört habe, geht es in diesem Spiel wohl nicht zu knapp um Rassissmus und Unterdrückung. Taugt das nicht als Ansatz um es als "kulturell wertvoll" zu klassifizieren?
2008 war das Jahr von Fallout 3 und Grand Theft Auto IV. Ich habe vor einigen Monaten (bisher erfolglos) versucht in einem Text auszudrücken wie sehr mich GTA4 beeindruckt hat, wenn es nach mir geht, ist das Spiel auf jeden Fall kulturell wertvoll und auch Fallout 3 ist ein beindruckendes Werk auf mehr als einem Level.

Egal wessen Idee es jetzt am Ende war, in seiner aktuellen Form wird der deutsche Computerspielpreis hoffentlich nicht weiter existieren. Er wird zu nicht geringen Teilen von der Industrie mitfinanziert, da muss mal jemand auf den Tisch hauen.

Und ich sollte mal herausfinden wer im Bundestag sich diese Kategorieren ausgedacht hat.

Kommentare:

  1. ...Danach müssen preiswürdige Spiele qualitativ hochwertig sowie kulturell und pädagogisch wertvoll sein...
    Mit dem Preis soll der Anreiz geschaffen werden, vermehrt solche preiswürdigen Spiele zu entwickeln und ihre Vermarktung zu unterstützen.
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    So wie Herr Ring das sagt könnte man keinen das das nicht auf Uncharted 2 und Dragon Age Origins nicht zutreffen würde

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  2. Vielleicht die Ursula ? :)

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  3. Guter Kommentar.
    Und nachträglich nochmal herzlichen Glückwunsch zur Erwähnung in der ZEIT!
    Zu Dragon Age: Origins - das Spiel beschäftigt sich sowohl mit Rassismen gegenüber unterdrückten Elfen, vor allem bei den Menschen, als auch mit erheblichem Klassendenken unter den Zwergen. Da gibt es auch eine zentrale Geschichte um sexuelle Ausbeutung gleich zu anfangs: bei Dragon Age: Origins ist es ja so, dass da sechs unterschiedliche abendfüllende Geschichten erzählt werden zu Beginn. Ähnlich wie bei einem anderen Rollenspiel, "The Temple of Elemental Evil" für den PC (D&D).
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    Ich befürchte aber es wird sich beim Preis nichts ändern, zumindest bis zum nächsten Jahr nicht, und der gleiche Zirkus ein drittes Mal sozusagen veranstaltet werden: Ring war offenbar schon letztes Jahr Vorsitzender. Sowie...
    Es gibt auch Erwachsenenpädagogik. So schlimm das klingt

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  4. Wie immer ein guter Kommentar von dir Green. Ja man sollte wirklich den oder die Herren/Damen herausfinden die diese Murkskriterien ausgedacht haben und dann nachhaken wieso und warum.

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  5. "Dragon Age: Orogins" muss man wirklich spielen um es zu verstehen. Wenn man nur Videos ansieht, sieht es erstens wie ein stereotypes Fantasy-Spiel aus und zweitens sehr brutal. Wenn man nur nach Screenshots und Videos geht, ist die Gewalt auch für mich zum Teil übertrieben (vor allem weil das Blut einfach unrealistisch ist).

    Wenn es aber spielt, wird man merken, dass die Geschichte genial erzählt wird und es massenweise interessante und komplexe Charaktere gibt, über die man sich zum Teil wirklich Gedanken machen kann. Die graphische Gewalt nimmt man gar nicht so war wie auf den Bildern. Oberflächlich betrachtet ist ein Kampf von Gut gegen Böse, aber darunter zeigt DAO wirkliche Tiefen. Es werden sehr erwachsene Themen wie Klassengesellschaften, Unterdrückung von Minderheiten, Ausbeutung, sexuelle Gewalt oder Gewalt gegen Kinder behandelt. Und nicht immer ist dabei alles so offensichtlich wie es scheint.

    Das Spiel richtet sich generell an Erwachsene. So gibt es z.B. viel Humor, aber darin sind massenweise sexuelle Anspielung enthalten (z.B. fast jede Unterhaltung mit Zevran und einige mit Oghren)

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  6. Jo, das "Stereotype Fantasy-Setting" war auch was mich bisher von dem Spiel abgehalten hat. Ich kuck mal ob ich ne England-Fassung auftreiben kann. Sobald ich mit den Mai-Testmustern durch bin. :D

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  7. @GREEN:
    WICHTIG!
    http://www.gamestar.de/specials/reports/2314783/verspielt_in_berlin.html
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    "Die Wirtschaftssimulation Erotic Empire wäre fast mit einem »ab 12« abgestempelt worden, was die Zielgruppe wohl eher abgeschreckt hätte. »In solchen Fällen stehen schon mal verdutzte Hersteller in der Tür und erklären uns die Wichtigkeit von Jugendschutz und sozialer Verantwortung«, erinnert sich Brunner. Am Ende half sich der Anbieter durch einen Trick: Er packte die Demo seines Ab-16-Spiels Hanfbaron mit auf die CD, weil Alterskennzeichen immer für den kompletten Inhalt eines Datenträgers gelten. "
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    Happy Coding noch

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