Sonntag, 17. Oktober 2010

Die (fucking awesome) Pläne der Piratenpartei

Guten Morgen! Okay, es ist schon fast 12, aber wenn ich diesen Text jetzt nicht endlich anfange wird der nie fertig. Here goes:

Die Piraten-Partei diskutiert darüber, Forderungen zur Abschung der BPjM und der Ersatz der USK durch die PEGI in ihr Parteiprogramm aufzunehmen. Nachzulesen ist das ganze hier. Es gibt noch andere Punkte auf der Liste, nicht zuletzt wie man allgemein mit Altersfreigaben umgehen soll, aber hervorstechend für mich sind die folgenden 3 Punkte:
  • Die Abschaffung der BPjM und somit der Indizierung, mit der Begründung, dass es ja bereits andere Bewertungsbehörden gibt.
  • Die USK soll durch die PEGI ersetzt werden, da letzteres im Rest der EU problemlos funktioniert.
  • Die Altersfreigaben auf Spiel- und Filmverpackungen sollen wieder ihre alte Größe annehmen.
Lasst mich dies zuerst ganz persönlich kommentieren: Piratenpartei, dies ist das erste Bild, dass die Google Bildersuche ausgespuckt hat und ich widme es jedem einzelnem der an diesen Punkten mitgearbeitet hat.

Diese 3 Punkte sind genau das, was ich versuche seit der Gründung dieses Blogs irgendwie zu bewirken, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. Die Piratenpartei sind genau die Sorte Leute von denen ich gehofft habe, dass sie sich dieser Punkte annehmen. Allerdings wäre es ziemlich langweilig, wenn ich jetzt einfach nur darüber schreiben würde wie unheimlich toll ich das finde und deswegen möchte ich mich kritisch mit den Forderungen der Piraten auseinander setzen und ihnen einige Tipps geben.
Modul 1 und 2 muss man nicht weiter kommentieren, gehen wir deswegen gleich einen Schritt weiter:

Jugendschutz & Medien – Modul 3

Etwaiger Jugendschutz soll, wie der Name schon sagt, ausschließlich für Minderjährige gelten. Dies sieht die Piratenpartei in der aktuellen Gesetzeslage in Bezug auf Medien nicht gegeben – auch Volljährige werden durch die rigorosen Jugendschutzbestimmungen eingeschränkt, da einerseits oft freiwillige Zensur auf Seiten der Hersteller betrieben sowie die Beschaffung entsprechender Medien andererseits erheblich erschwert wird.

Hinzu kommt, dass die Zusammensetzung dieser Gremien nicht transparent ist und ihre Entscheidungen häufig eine rationale Begründung vermissen lassen. Dies gilt es zu verbessern. Da es mit USK, FSK und auch PEGI bereits Prüfungsinstitutionen auf den jeweiligen Gebieten gibt, schlagen die Piraten deshalb eine Abschaffung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) sowie den daraus resultierenden Konsequenzen (Indizierung) vor. Unter allen Umständen sollte jedoch die personelle Zusammensetzung überdacht und abgeändert werden.

Hier wird der sprichwärtliche Nagel auf den Kopf getroffen: der deutsche Jungedschutz tut viel mehr als nur die Jugend zu schützen. Wenn ihr, liebe Piraten, gegen die Bundesprüfstelle vorgehen wollt, müsst ihr folgende Dinge beachten:

  1. Die BPjM kümmert sich nicht nur um Videospiele und Filme, sondern auch um andere Medien, wie zum Beispiel Audio-CDs und Bücher, weil es für diese keine seperaten Bewertungsbehörden gibt. Ich weiß nicht, ob sie dabei gute Arbeit leisten, aber ihr solltet das wissen, da das Thema unweigerlich zur Sprache kommen wird, wenn ihr die BPjM "nur" aufgrund der Tatsache angreift, dass sie Spiele und Filme indiziert.
  2. Die BPjM, so hat es mir eine Mitarbeiterin auf der GamesCom erklärt, hält sich nur an die Vorgaben des Gesetzgebers und orientiert bei ihrer Arbeit nur an den gegebenen Richtlinien.
  3. Ebenfalls auf der GamesCom erfuhr ich, wie Mitarbeiter der BPjM ihre Arbeit in Bezug auf die USK sehen. Wie ihr selber schreibt, gibt es bereits andere Prüfungsinstitutionen, welche die Arbeit der BPjM nutzlos machen würden, aber leider ist es nicht so einfach. Denn, und das ist kein Witz, operiert die Prüfstelle anhand der Annahme, dass die Systeme der USK und FSK nicht funktionieren. Das zumindest war die Antwort, die ich auf meine Frage bekam, warum es bei einem "keine Jugendfreigabe"-Label überhaupt nötig ist, jugendgefährdendes Material zu indizieren. Das muss man sich mal vor Augen halten. Die eine Bewertungsbehörde arbeitet aufgrund der Annahme, dass die Regeln einer anderen Behörde nicht völlig eingehalten werden.
Soviel zur BPjM. Modul 4 dagegen sehe ich selbst eher kritisch:

Jugendschutz & Medien – Modul 4

Jeder Mensch entwickelt sich anders und in einem für ihn selbst eigentümlichen Tempo. Die eigene Reife zu beurteilen, vermögen, wenn überhaupt, nur Nahestehende oder auch die Person selbst. Der Staat hingegen setzt den Reifegrad eines Heranwachsenden und somit dessen Eignung für bestimmte Inhalte mit seinem Alter gleich. Diese Regelung ist unzureichend, da sie die individuelle Entwicklung der Jugendlichen völlig ausklammert und ihnen somit niemals gerecht werden kann.

Da für die Erziehung nach wie vor die jeweils Erziehungsberechtigten verantwortlich sind, Heranwachsende aber auch in ihrer Selbstbestimmung gestärkt und Eigenverantwortung gelehrt werden soll, sollten Altersfreigaben keinesfalls bindend sein, was gegenwärtig noch immer der Fall ist. Die Piraten betrachten verbindliche Alterskennzeichnungen als Versuch des Staates, sich in private Erziehungsangelegenheiten einzumischen und dem Individuum auf diesem Wege bestimmte Ideale und Wertevorstellungen zu oktroyieren. Altersfreigaben sollten lediglich eine Hilfestellung für die Erziehungsberechtigten bei der Beurteilung bestimmter Inhalte darstellen und sie nicht von ihrem Erziehungsauftrag entbinden.

(Bestehende Regelungen anderer Länder – bspw. Belgien, Dänemark, Luxemburg, Norwegen, Schweden, Österreich, Schweiz, USA etc. – zeigen, dass dieses Konzept durchaus funktionieren kann.)

Nicht, dass ich dieser Idee völlig abgeneigt wäre. Ich kenne keine Person in meinem Freundkreis die schon als sie jünger waren nur Filme gesehen und Spiele gespielt hätten die für die geeignet waren. Wie gesagt, das ist keine doofe Idee, aber ich fürchte von all euren aufgeführten Punkten wird das auf den meisten Protest in der Öffentlichkeit stoßen, wenn ihr ihn nicht sehr sorgfältig formuliert. Diesbezüglich würde ich mich an eurer Stelle auch mit einem kürzlich verfasstem Tweet der Familienministerin auseinandersetzen, den ich selbst bereits kommentiert habe.

Ihr dürft auch nicht vergessen, dass, sofern ich gerade keine völlige Scheiße rede, es den Erziehungsberechtigten frei steht, ihre Kinder Medien auszusetzen, die eine höhere Freigabe haben. Aber vielleicht sollte das einfach besser erklärt werden.

Und was zum Geier heißt eigentlich "oktroyieren"?

Kommen wir nun zu Modul 5, der Punkt der mich in die Bloggosphäre brachte. ^^

Jugendschutz & Medien – Modul 5

Zudem halten die Piraten die ursprüngliche Größe der FSK/USK-Auszeichnungen (und aller etwaigen anderen Kennzeichnungen) vor der Änderung vom 1. Juni 2009 für ausreichend.

Nach Ansicht der Piratenpartei setzt die neue Fassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags bei einem völlig falschen Sachverhalt an. In dessen Rahmen wurde ein größerer Aufkleber mit der jeweiligen Alterskennzeichnung beschlossen, der auf der Vorderseite der Hülle des Datenträgers anzubringen ist und nicht mehr auf der Rückseite. Die Piraten sind der Meinung, dass der Jugendschutz nie durch eine zu undeutliche Alterskennzeichnung von Medien behindert worden ist – die letztliche Einhaltung von Jugendschutzbestimmungen im Einzelhandel erwies sich dagegen stets als Problem. Effektiv ändert die neue Fassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags rein gar nichts an dieser Problematik, da die Kennzeichnungen, so dies denn gewollt gewesen ist, auch im Vorfeld gut sichtbar waren und auch jetzt noch ignoriert werden können, wenn kein wirkliches Interesse am Inhalt des Mediums besteht.

Stattdessen schmälern die größeren, nun auf der Vorderseite angebrachten Aufkleber den ästhetischen Wert des Produkts. Filme und Videospiele werden mittlerweile gemeinhin als Kunst- und Kulturgüter anerkannt. Die Verpackung der Datenträger für diese Medien sollte daher als eine Weiterführung des künstlerischen Anspruchs des Urhebers betrachtet werden und auf staatliche Einmischung unter Berufung auf die Kunstfreiheit weitgehend verzichten.

Ahhh, die überdimensionierten Alterskennzeichen der USK und FSK. Sicherlich eine der, wenn nicht sogar die nutzloseste Änderungen am Jugendschutz während der Amtszeit von Frau Ursula von der Leyen. Wenn ihr heute meinem Namen googelt, dann ist meine DirektZu-Anfrage bez. der Kennzeichen an die ehemalige Familienministerin immer noch auf Seite 1 zu finden. Ich muss ganz ehrlich sagen, das Problem hat sich eigentlich schon fast von selbst gelößt. Viele Filmverleihe und auch Spielepublisher sind inzwischen auf Wendecover umgestiegen, was ich persönlich ja eh für die Ideal-Lösung halte. Besorgte Erziehungsberechtige können sich immer noch mit einem Blick auf den Datenträger selbst über die Freigabe informieren.

Nun, der Höhepunkt:

Jugendschutz & Medien – Modul 6

Im Großteil der Europäischen Union hat sich mittlerweile das PEGI-System zur Alterseinstufung von Videospielen etabliert. Lediglich Deutschland unterhält zusätzlich noch ein eigenes Kontrollgremium. Dies stellt sowohl für die Konsumenten, also im Prinzip alle Bürger, als auch Entwickler und Händler aufgrund erschwerter Verkaufsbedingungen (Festlegung auf bestimmte Vertriebswege, Ausweiskontrolle bei Postsendungen, Post-Ident-Verfahren etc.) vermeidliche Hürden dar. Dieses erachten die Piraten als unnötig und fordern daher, die USK abzuschaffen und das europäische System zu übernehmen.

Das ist im Prinzip der Traum der meisten deutschem Gamer. Mir ist bisher kein Fall untergekommen, in dem ich die Freigabe der USK für besser hielt als die der PEGI, ganz im Gegenteil! Hinzu kommt, dass die PEGI aufgrund ihrer Zusatzkennzeichen für Gewalt, Rassissmus, Sex etc. eigentlich für Erziehungsberechtige sogar sinnvoller wäre als nur eine bunt gedruckte Zahl die 1/5 des Covers verdeckt.

Allerdings sehe ich hier auch gleichzeitig die größte Gefahr. Ihr dürft nicht vergessen liebe Freibeuterpartei, dass es Leute gibt die bereits die USK als zu lasch betrachten. Ganz oben auf der Liste, unser aller Liebling Dr. Christian "Ich habe als Chef eines kriminologischen Forschungsinsituts nichts besseres zu tun als ich meine Mitarbeiter rausfinden zu lassen, ob nicht viel mehr Spiele indiziert werden sollten" Pfeiffer. Das ist übrigens nicht sein voller Spitzname, er hackt ja auch gerne auf WoW rum. Auf jeden Fall dürft ihr bei eurer eventuellen Kampagne zu diesem Punkt nicht vergessen, dass es Leute gibt, die bereits die Arbeit der USK kritisch betrachten und wenn ihr euch ebenfalls zu sehr gegen diese stellt, wir am Ende vielleicht mit einem noch schlimmeren System dastehen.

Modul 7 stimme ich voll und ganz zu.

Das war's soweit erstmal von mir. Das Schreiben dieses Artikels hat mal wieder viel mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant, aber ich hoffe ihr könnt damit etwas anfangen.

*Ninja vanish*

Kommentare:

  1. Um mehr Übersicht zu gewährleisten werde ich in Zukunft die Kommentare die auf Fehler in meinen Einträge hinweisen löschen, nachdem ich die jeweiligen Fehler korrigiert habe. Das ist in keinster Weise boshaft gemeint, aber ich glaube das ist im besten Fall nur irritierend für andere Leser.
    Das heißt nicht, dass ich nicht dankbaer für jeden eurer Beiträge bin. Wenn ihr Fehler findet, dann macht mich bitte darauf aufmerksam.

    AntwortenLöschen
  2. "Denn, und das ist kein Witz, operiert die Prüfstelle anhand der Annahme, dass die Systeme der USK und FSK nicht funktionieren. "
    -
    Kann man einen nochmal zu einer schriftlichen Aussage dazu bewegen? Ich hätte das gerne als Referenz auf welche man sich beziehen kann.
    (Ist schon ein wenig bitter wenn man darüber nachdenkt...)
    -
    "Dr. Christian "Ich habe als Chef eines kriminologischen Forschungsinsituts nichts besseres zu tun als ich meine Mitarbeiter rausfinden zu lassen, ob nicht viel mehr Spiele indiziert werden sollten" Pfeiffer. Das ist übrigens nicht sein voller Spitzname"
    Stimmt da sollten die Piraten sich vorbereiten
    -
    PS gerade in Pro7 Newstime
    mehr volksentscheidungen der bürger
    vs
    nichts geht mehr staat (FDP)
    Die Piraten sollten JETZT ihre stimme erheben und ihr System öffentlicher machen und allen erklären ^^ es könnte so die bürger zum piraten wählen bewegen.
    -
    Happy Coding.

    AntwortenLöschen
  3. Ich wollte die Aussage auf der GC eigentlich auf Video aufnehmen, aber die beiden Mitarbeiter verneinten.
    Das ist schriftlicher Form zu bekommen könnte schwierig werden, ich muss mal versuchen wie ich da einen Brief für formulieren kann.

    AntwortenLöschen